Ein englisches Restaurant – are you kidding me?

Mehringdamm

img_20190116_2128194830293245704306769.jpg

Ein englisches Restaurant – ja klar, das kann nicht gut gehen. Genauso gut kann ich auf einem Touristen-Spreedampfer Unsinn essen – eine Gummibockwurst, ein Lederschnitzel oder eine stinkende Stulle mit Griebenschmalz aus den seit Jahren ungewaschenen Ohren des Kochs. Oder ich kaufe mir eine gammlige Currywurst in der Simon-Dach-Straße – nichtssagend und eklig. Dafür fettig. Also im Prinzip das, was Touristen für deutsches Essen halten.Nein, englisches Essen geht gar nicht. Malzessig meets Minzsoße meets Porridge meets Kloschüssel.

So die Legende.

Die Legende lügt. Englisches Essen geht auch gut. Huhn in Whiskysoße, selbstgemachte Pommes mit Kartoffelschale, Roastbeef, Rind in Schwarzbiersoße, Reispudding. Das war gut, bei weitem nicht sterneverdächtig, sogar so weit von Michelinsternen entfernt wie man als Restaurant nur sein kann, aber bodenständig, gut. Meine Oma selig konnte so kochen.

Nun was nervt mich?

Da nervt was?

Natürlich nervt da was und es ist das, was jeden Gastronom befällt, der ein paarmal in der popeligen Berliner Lokalpresse empfohlen wurde: Es ist das Getue. Das Aufgesetzte. Die Attitüde. Oder nenn es meinetwegen Arroganz.

Man spricht hier englisch, das ist okay und auch gut so. Man spricht aber auch überhaupt kein Deutsch und das konsequent, kein Wort, nicht mal hilfsweise, wenn gar nichts mehr geht, was die Bestellung zur Geduldsprobe macht, wenn mal wieder ein paar Vokabeln vom eingerosteten Schulenglisch fehlen. Neben mir wollte jemand eine „Cola Zero“. Das zu bestellen war nicht möglich, denn es heißt ja „Coke Zero“. Super. Arroganz als Fetisch. Hip Hip Neu-Kreuzberg. Ihr seid so cool.Es gibt zwei Möglichkeiten: 1: Das Getue ist aufgesetzt, dann ist es einfach nur schnöselig oder 2. Der Service kann wirklich kein Deutsch, dann ist es einfach nur fahrlässig und schnöselig obendrein, weil irgendjemand hat die ja eingestellt und das nicht ohne Grund.

Abgesehen von der überflüssigen Schnöselei gibt es eine wunderbare aus Hipstercafes abgeschaute Innovation: Es gibt Steckdosen unter jedem Sitz und das ist großartig. Das beugt dem nervösen Zittern vor, wenn man Smartphone nebst Tablet mal wieder beim Warten leergedaddelt, totgewhatsappt oder zuendegefacebookstatusupdated hat. Weil man sich sonst unterhalten müsste. Wegweisend. Steckdosen. Tolle Idee. Ist mir in einem Restaurant noch nie begegnet. Sehr gut.

Ja, gut isst man hier im East London, wenn nur die Attitüde, die verdammte Attitüde nicht wäre…


East London
Mehringdamm 33
10961 Berlin