Saufen Fressen Platzen – Grüne Woche

Messe Grüne Woche Berlin

Die Grüne Woche steigt seit vielen Jahren kontinuierlich ab. Und das aus vier Gründen:

1. Die Gratishäppchen sind fast flächendeckend verschwunden und erschöpfen sich mittlerweile in winzigen Krümeln an Käse oder Salami, die nicht der Rede wert sind und irgendeine Kaufentscheidung zu beeinflussen schon rein von der Substanz gar nicht in der Lage sind. Mir ist klar, dass das den zügellosen Buffetfräsen vergangener Jahre zu verdanken ist, aber vielleicht wäre es eine bessere Lösung, aussagekräftige Probierportionen hier und da für einen Euro zu verkaufen, das hält die Freibiergesichtern fern.

Dadurch ergäbe sich die Gelegenheit, die Palette der zu probierenden Dinge mehr auszuweiten als das mit großen Portionen der Fall wäre und man muss nicht Salamikrümel von einem Teller titschen, an dem vorher noch Opa Kowalke seine seit Tagen ungewaschenen Wurstfinger hatte. Win Win. Warum machen das nur so wenige?

2. Es wird deutlich teurer. Von Jahr zu Jahr. Damit meine ich nicht nur die Puffpreise für geräucherten Schinken oder die völlig überschätzten italienischen Wurstwaren, sondern vor allem den französischen Käse, der die Käseabteilung des KaDeWe preislich hinter sich lässt, was man auch erst mal schaffen muss. Schnäppchen sind vielleicht noch bei Aal-Kai oder anderen Marktschreiern vom Hamburger Fischmarkt zu machen, aber deren Qualität ist auch bekannt.

3. Und hier ist der Grund für die Puffpreise: Der Massenandrang des interessierten Fachpublikums, der nach dem altbekannten volkswirtschaftlichen Prinzip „Angebot und Nachfrage regeln den Preis“ für die deutliche Verteuerung verantwortlich ist. In den letzten Jahren hat der Andrang deutlich zugenommen und das zeigt, dass da preislich sicher noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist.

Der Andrang ist so groß, dass es teilweise unmöglich ist, an die Stände ranzukommen, selbst wenn man ernsthaft kaufinteressiert ist. Sitzplätze sind rar wie Goldstaub und werden Gerüchten zufolge auf dem Schwarzmarkt vor den Toiletten zwischen Halle 14c2 und 15 gegen Cash gehandelt.

4. Der Anteil exotischer Produkte, die man eben nicht überall bekommt, geht seit Jahren zurück. Das teils erschreckend einfallslose Portfolio an Speisen lässt sich sehr gut am Beispiel Chinas verdeutlichen, dessen trauriger kulinarischer Beitrag in einer mit roten Lampions behangenen Fettbude besteht, deren fragwürdige Erzeugnisse so auch vor jeder gut sortierten U-Bahn-Station zu finden sind und die nicht das widerspiegelt, was chinesische Küche eigentlich kann. Keine Spur von raffinierten Gerichten Asiens und dem dumpfdeutschen Gaumen unbekannte Gewürze und Zutaten.

Insgesamt ist eine deutliche Tendenz zur Banalisierung und zum Mainstream festzustellen, immer mehr Stände stehen in dieser Art auch irgendwo in Berlin rum, es besteht der Eindruck von wahllos aneinandergereihten gesichtslosen Imbißbuden, die nur pro forma einen länderspezifischen Bezug haben.

Ausnahme und kann man auch mal Patriot sein: Die Bundesländer-Halle und die regionalen deutschen Hallen dahinter warten mit ausgezeichneten Waren von einer Vielfalt auf, bei denen ich nicht den Eindruck habe, dass ich sie so einfach überall um die Ecke bekomme. Hier ist es noch, dieses Gefühl von etwas Besonderem.

Aber sonst? Zum Besaufen und dann feiste vollgesoffene Fresssäcke kucken ist es gut. Whisky. Rum. Tequila. Alles muss rein. Dafür is gut. Dann is Ballermann. Dann geht das.