Und noch einmal Weihnachtsmarkt

Abzocke

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Die Welt im Dezember 2012: Kim Jong Il ist nun schon ein Jahr tot, an der Fischbude „Zum Hecht“ in Warnemünde ist ein Eimer Matjes umgekippt und ich geh auf den Weihnachtsmarkt.Und wie ich Weihnachtsmärkte hasse, vor allem wegen der Leute. Literweise kippen sie sich billigen, mit Zimt und Zucker verpanschten Industriewein hinter, pfeifen sich halbmeterweise Fleischabfall-Bratwurst, billigstes Formfleisch und widerlichste Pilzpfannen-Grünkohl-Matsche rein und marodieren in Gruppen als wandelnde Hölle eines Betriebsausflugs mit blinkenden Zipfelmützen, Thermoskannen mit Glühwein und Lidl-Rum und den bis zur Stufe seiner Unfähigkeit beförderten Chef vorneweg besoffen wie am Ballermann über einen von Kirmesbutzen vergewaltigten Ort und kaufen völlig überteuerten handgemachten Schrott aus Erzgebirge, Harz oder Chisibubikaio.

Wenn man den Termin für den besten Weihnachtsmarkt der Welt  – den Rixdorfer in Neukölln – mal wieder verkackt hat, bleibt nur der am Roten Rathaus – mithin einer der Erträglichsten seiner Zunft, sowas wie der Achteläugige in einer Armee der Blindschleichen.
Nachdem ich es schon zu Beginn hinter mich gebracht habe, endlich mal wieder standesgemäß abgezockt zu werden – 12 Euro für einen spanischen „Tapasteller“, bestehend aus ein bisschen billigem Chorizo, trockenem Serrano und kleinen, traurigen Manchegokrümeln, was man sich aus jeder dahergelaufenen Kühltheke eines jeden darhergelaufenen Supermarkts zusammensammeln kann -, entspannte ich mich etwas, denn ich habe meinen jährlichen Tribut bereits gezollt (aka mein sauer verdientes Geld für Scheiße hergegeben).
Ich sehe ein Riesenrad, überraschend gepflegte Büdchen, eine lustige Märcheneisenbahn für Kinder und eine Eisbahn für Erwachsene, die gerne vor Publikum auf die Fresse fallen. Schick.
Ja, das kann man schon machen hier, vor allem weil ich Security sehe, die körperlich wie so wenige der Security-Schießbudenfiguren dieser Stadt in der Lage ist, ausfallende Ballermann-Pappnasen zeitnah aus dem Besucherstrom auszusortieren, so dass nur noch verhältnismäßig entspanntes Publikum übrigbleibt, über das ich mich zu meinem Bedauern überhaupt nicht aufregen kann.

Und so muss ich mich doch nochmal abzocken lassen, ich möchte hier nicht mit guter Laune abziehen. Also trinke ich eine völlig übersüßte Feuerzangenbowle aus dem winzigen kitschigen Weihnachtsmarktbecher für 3,50 €, aus der der Alkohol schon vor Tagen verdunstet sein muss und nur pappiges warmes Zuckerwasser hinterlassen hat.Yeah, party on, zock mich ab, lutsch mich aus.

Mehr Scheiße für noch mehr Geld.

Macht hoch die Tür, die Kohle her, ich muss euch sagen es weihnachtet sehr.