Prenzlauer Berg-Cowboy

Schönhauser Allee

Der Bassy (Cowboy) Club wirkt so verloren in dieser endstadiumssanierten Gegend, inmitten der neuen Nobelrestaurants, der Bioläden und der schnieken Latte-Cafes, in denen die neureiche Schickeria ihre Zeit totschlägt und sich selber feiert, bis ihnen der Prosecco aus den Ohren tropft.

Rock’n Roll-Konzerte und Lounge. Lounge und Rock’n Roll-Konzerte. Ska. Surf. Rockabilly. Männerding. Männerschuppen, ja, sprechen wir es aus, trauen wir uns, ein Laden für Kerle, ungegendert, ja, so etwas gibt es noch: Guter Whisky. Gutes Bier. Gute Bands. Rock and Roll.

Man darf auch rauchen. In der Lounge. Hier passt es. Whisky. Schummriges Licht. Schwere Polster. Rauch. Auch etwas, was man heutzutage nicht mehr gut finden darf. Rauchen. Whisky auch nicht. Der Gesundheit wegen. Hier kann ich sitzen und Whisky trinken bis es hell wird und ich zu Staub zerfalle. Toll. Und das in Prenzlauer Berg. Mittendrin in Amarettini City.

Aber hey, ihr Piratenpartei-Pickelnerds, die ihr euch aus irgendeinem Grund hier rumtreibt, auf ein Wort: Man sieht es auch hinter euren dicken Brillen, dass ihr umständlich schräg auf die Ärsche der wenigen hübschen Frauen schielt, die sich hier im Bassy behighheelt auf den Barhockern fläzen. Hinkucken, das muss man tun, ja, aber sicher, nur muss man es unauffälliger tun, so dass es nicht aussieht wie auf der Mensadisco der TU, wenn Physiker auf Juristinnen treffen und ihnen vor Schreck die Club Mate-Flaschen aus der Hand fallen.

Und hey, ihr adilettengesichtigen Q-Dorf-entsprungenen Baggerfreaks mit Rasierklingen unter den Achseln der dicken Wohlstandsplautze unter dem viel zu engen rosa Shirt, die ihr in völliger Verkennung eurer selbst glaubt hier punkten zu können: Diese wirklich sehr hübschen jungen Frauen, die hier gelegentlich mal wie Fremdkörper die ganze tumbe Männermasse aufwerten, gehören entweder zur Bar oder zur Band. Manchmal auch zu beiden. Abwechselnd vielleicht sogar. Egal, jedenfalls nicht zu euch. Macht es wie die Piratenpartei: Kuckt. Genießt. Nur unauffälliger als die bitte. Und trinkt euch einen.

Ich fühl mich sehr wohl hier. Ein toller Ort. Authentisch. Freundlich. Günstig. Und so erfrischend gar nicht Prenzlauer Berg in dieser beängstigend direkten Nachbarschaft zu den „Hey, wir sind die neuen Leute vom Teute“-Spießern mit ihren mundgeblasenen Retro-Hollandfahrrädern, deren Wohnungen sich schon lange kein Normalverdiener mehr leisten kann.

Bleibt nur noch die Frage, wann sich der erste Eigenheimbesitzer findet, der daneben oder darüber einzieht und diesen Ort, dieses Fossil, diesen lebenden Anachronismus rausklagt, wegmobbt, plattmacht. Damit es auch hier so wird wie überall in Prenzlauer Berg und endlich ein neuer Bioladen oder ein neues hippes Ich-kauf-von-Sri-Chinmoys-Hund-seiner-Mutter-besungene-Kaffeebohnen-aus-Chisibubikaio-und-verkauf-den-Rotz-für-6-Euro-pro-Tasse-an-bescheuerte-Mütter-mit-zu-viel-Tagesfreizeit-Cafe einziehen kann.

Bis es soweit ist, hätte ich gern noch einen Glenlivet 12. Ohne Eis bitte. Und ne Kippe. Und ein Bier dazu. Und der Arsch von der Blonden da vorne ist in der Tat nicht von dieser Welt.


Bassy Club
Schönhauser Allee 176a
10119 Berlin 


 

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