Curry. Curry. Immer wieder Curry

Pho House

Ostkreuz. Pho House. Vietnamesisch wie an hunderttausend anderen Ecken dieser Stadt.

Dieser Laden hier hat sich professionalisiert wie eine Kette, ist aber keine. Tut aber so. Stylisher Style. Zweckmäßige Aufteilung wie eine Kantine. Und Bilder auf einem Aufsteller draußen. Wie auf Mallotze auf der Promenade. Ein Aufsteller. Für Legastheniker. Oder für die Touristen aus dem Hostel gegenüber. Sehen statt lesen.

Durchchoreographierte Effizienz: Vorne wird bestellt, man zahlt sofort, bekommt eine Nummer, setzt sich hin und bekommt rekordverdächtig kurze Zeit später das Essen an den Tisch. Ja, geht schnell, ist bequem für alle und ich muss den Service nach dem Essen nicht zur Fahndung ausschreiben, nur weil ich bezahlen will, sondern kann einfach abzischen, mich verdücken, abhauen, reinhauen, verduften, abzischen, verpissen, mich in Luft auflösen. Ob ich dabei tschüß sage oder nicht, interessiert auch niemanden und in zwei Minuten hat jeder hinter der Theke und sonstwo im Raume vergessen, dass es mich überhaupt gab. Toll. Berlin. Ideal für Neurotiker. Und Zwangsgestörte. Gibt es mich überhaupt? Können die mich sehen? Und freut man sich, mich zu sehen? Nö. Auch egal.

Sicher, persönlicher Service ist natürlich was anderes, aber menschliche Wärme nebst persönlichem Hinternpudern, Eierkraulen und Palmwedeln von allen Seiten muss man eben in den vielen Selbsthilfegruppen für Wohlstandskinder auf Psychopharmaka in Prenzlauer Berg suchen, das gibt es hier alles nicht. Nur Geld gegen Nahrung. Ohne Gelaber. Ohne Rabatt. Ohne Geseier. Essen gegen Cash. Toll. Wer treuepunktfragereiwundgescheuert an den Kassen aller Kaisers dieser Stadt leidet wie ein Zwangsneurotiker im Kommunikationsseminar, der findet hier Erholung.

Besonders einfallsreich ist man hier nicht, es gibt die überall üblichen Kombinationen eingedeutschter vietnamesischer Küche, Hühnchen, Ente, Reis, Curry, Koriander, Zitronengras, Staudensellerie. Ja, schön, ist bekannt, ist alles nicht übel und nicht ganz so ungesund, als würde man bei der ranzigen Dönerbutze um die ranzige Ecke ranzigen Döner fressen.

Raffiniert ist jedoch auch anderswo. Zum Hühnchencurry, das schmeckt wie alle Hühnchencurrys an allen zwei Millionen Vietthaibuden dieser Stadt, gibt es einen Haufen Salat mit deutlichem Schwerpunkt auf dem Quasimodo aller Salate – den fürchterlichen Eisbergsalat -, den man mit dem Currymatsch mischen kann, was dann tatsächlich dazu führt, dass auch Null-Nährwert-Quasimodo nach etwas schmeckt: Wenn auch nur nach Curry.

Die Ente ist eine knusprige Ente, ganz nett, natürlich trocken, natürlich nicht ohne labbrige Fettschicht unter der keksigen Haut, eine Ente wie in allen fünfzehn Billionen Vietthaibuden dieser Stadt eben, nicht wirklich liebevoll zubereitet, aber was soll es denn für 6 Euro werden? Fudge-Fusion-Tim-Raue-Bergamotte-Basilikumschaum-im-Holundernest-Cuisine?

Lustig sind die vielen verschiedenen Variationen an Fingerfood-Teilchen, die meisten davon aus der Fritteuse, mit denen man eine komplette Mahlzeit für drei Personen abdecken kann. Frittierte Wan-Tan, Garnelen im Nest, Frühlingsrollen groß, Frühlingsrollen klein, Tintenfischringe und so weiter und so fritteusig fort: Gut, gut frittiert, handwerklich sehr sauber, das kann man machen, wenn man Frittiertes mag und auch mal einen Tag auf vernünftige Nährstoffe verzichten kann.

So bleibt: Man kann hier essen. Man kann hier schnell essen. Man kann hier ganz gut essen. Ganz nett. Ja. Essen und vergessen. Was? Wie hieß der Laden noch mal? Häh? Und wer bist du jetzt nochmal?

pho house
Neue Bahnhofstraße 36
10245 Berlin 

 

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