Herzlichen Glückwunsch, es ist ein Honk (4)

Pub Crawl

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Der Bepisser meiner Haustüre hat geupgraded. Er ist jetzt ein Bescheisser.

5:30 Uhr. Ich muss aus dem Haus. Dunkel.

Flatsch!

Da liegt ein Fladen. Dünn. Durchmesser 30-35 cm, ein fieses dickes Ding von einem Fladen und ich so voll rein. Die Hose bespritzt sich mit Dünnem bis hinauf an das Schienbein. Das mit dem früh im Büro sein hat sich erledigt für heute. Ein säuerlicher Muff nach Verwesung steigt mir entgegen, fühlt sich sogar noch warm an durch die Hose. Kombiniere kombiniere, Watson: Kann nicht allzu lange her sein.

Meine Haustüre, immer wieder meine Haustüre. Warum?

Sie bepissen sie, ein Schlüsseldienst beklebt sie mit seiner Werbung, Hermes, GLS und Konsorten kleben Klebestreifen drauf, die kein Kärcher der Welt je auslöschen könnte, rumänische Bauspezialisten bieten auf unzähligen Zetteln Abtransporte von Bauschutt, alten Möbeln und wahrscheinlich auch der alten Erboma an, viele Kindertagger malen viele bunte Kindertags drauf, was die Hausverwaltung nicht interessiert, und einmal hat sogar mal ein Pubcrawlarschloch gegen die Türe gekotzt – dem Geruch nach Dönerreste mit Wodka. Danach ließ der Pulk, der vorher noch munter vor der Türe gesungen hat, den armen Schweden in seinem scheiß Nationaltrikot plattgesoffen dort liegen, in der linken Hand die Flasche Berentzen Apfel und die rechte in der Kotze. Guten Morgen, lieber Sonntag, vielen Dank für den Kotzepenner beim Brötchenholen.

Aber noch nie hat jemand an meine Haustüre geschissen. Noch nie. Hunde, ja, oft, wenn auch nicht direkt an die Türe sondern einen Meter davor, muss ja, ist ja Berlin, Hundescheiße ist hier nicht nur Fetisch, sondern Ausdruck individueller Selbstverwirklichung, nein, dieses Ding muss von dieser Menge entweder eine ausgewachsene dänische Dogge oder ein sehr fetter Tourist geschissen haben. Man sollte es als Weltwunder in der Nationalgalerie ausstellen: Der größte Suffschiss, den die Welt je gesehen hat. Der Wunderschiss von Prenzlauer Berg. Zahlt, Leute! Hereinspaziert! Nie zuvor sah man so einen Schiss.

Ich hab schon viel erlebt, man wird ja stumpf mit der Zeit, Hundescheiße am Auto, Hundescheiße am Kinderwagen, Hundescheiße auf der Parkbank, auf der Kinderrutsche, eine Horde besoffener Autonomer auf der Straßenkreuzung, die dort ein Zeichen gegen Repression setzen wollen, Fahrradnazis auf dem Bürgersteig, die mein Kind über den Haufen fahren, verwesende Biokompostscheiße im Innenhof, die stinkt wie eine Wasserleiche nach fünf Tagen in der Sonne, Rattenhorden im Keller, die sich in meinem Stomzählerkasten ein Nest gebaut haben und überall wohin man in diesem albernen Bezirk schaut diese domestizierten Biopapas ohne Eier, die mit hängendem Kopf hinter ihrem Hausdrachen herdackeln. Man gewöhnt sich. Immer mehr. Immer weiter. Man hat alles schon gesehen. Alles erlebt. Nichts ist mehr neu.

Jetzt schon, denn meine Tür vollgeschissen, nein, das hatte ich noch nicht. Es gibt ja immer weniger Premieren im Leben, je älter man wird, aber dies ist wieder eine. Hätte mir ja gewünscht, dass James Hetfield mal auf ein Bier vorbeikommt oder wenigstens ein überteuerter Bioladen zu statt aufmacht, aber gut, frische dampfende Scheiße vor der Haustür geht auch als Premiere, da will ich mal nicht so sein. Man wird ja auch anspruchsloser mit der Zeit, was Überraschungen angeht.

Okay. Wer ist nun der Honk? Wem darf ich gratulieren?

Entweder ist es ein Hundehalter mit einer dänischen Dogge, dessen unglaublicher Monsterschiss sich ausgerechnet an meiner Tür entlud oder doch einer der türevollpissenden üblicherweise skandinavisch dominierten Pubcrawls, die immer mal wieder hier vorbeikeimen und mir die unheimlich beruhigende Gewissheit geben, dass nicht nur Deutsche sich im Ausland danebenbenehmen.

Wenn ja, dann haben sie eine neue Eskalationsstufe erreicht: Sie pissen und kotzen nicht mehr nur, sie scheißen jetzt auch. Skål!

So bleibt mir nur: Herzlichen Glückwunsch, Honks. Wer auch immer das war.

 

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