Verarsch mich doch (3)

Kings Currywurst

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Fetzencurrywurst. Schon mal gegessen? Fetzencurrywurst? Gibt’s am Ostkreuz. King’s Bratwurststand. Das ist der Stand mit dem großmäuligen roten Plakat

„ENDLICH! JETZT AUCH CURRYWURST!“

Endlich, ja endlich, lange war das Volk am Darben, lungerte in lausige Lumpen gehüllt am Ostkreuz herum, hungrig, verhärmt leidend lamentierend im Wind, im eisigen Ostwind, eingepullert, unrasiert, sein Schicksal beklagend und wartete darauf, dass der King’s Bratwurststand endlich auch Currywurst in sein bescheidenes Sortiment aufnimmt. Und jetzt? Ein Aufatmen geht durch Friedrichshain, der König liebt sein Volk und gibt Currywurst. Endlich.

Die Oma vor mir nimmt so ein Teil, die Portion ist irrwitzig winzig, ich habe noch nie eine so eine kleine Currywurst gesehen, das ist Sterneküchengröße, ein Amuse Gueule, maximal ein kleiner lausiger Gruß aus der Grillbutze, haps und weg.

Ich nehme daraufhin die große Currywurst. Für stolze 2,20. Dieser großmäulig Currywurst XXL genannte Euphemismus ist genauso ein schlechter Witz, weil immer noch knapp kleiner als die normale Currywurst, die überall in der Stadt für 1,50 unters Volk gemischt wird. Verarsche? Aber sicher. Und das gleich doppelt, denn für die Herstellung der Currywurst nimmt man hier eine Bratwurst. Das ist nicht nur fragwürdig, sondern dreist, denn die Bratwürste von diesem Stand sind schon in der normalen Variante eher mäßig genießbar, eigentlich sogar total scheiße, sie schmecken fabrikartig, nach einem Hauch von Nichts, dafür fettig und wenn sie zu lange auf dem Grill waren, löst sich die Epidermis vom Fleischbrät und dann wird es richtig fürchterlich.

So wie bei mir. Hautfetzen, Gummibratwurstinneres, längliche Hautstücke mit abgelöstem Inneren, geleeartige Gallerte und ganz viele ganz kleine Stückchen in der Curryketchupsuppe – ein optischer Verkehrsunfall in Blutrot. Nur ohne Hirn. Und Knochen.

Essen kann man das sogar, irgendwie, das ist wahr, es schmeckt nach Curryketchupsuppe mit Einlage, so einen Scheiß hab ich als Student gegessen, nur mit Nudeln. Warm ist es sogar auch. Nur gut ist anderswo. Und billiger auch.

Ja! Hohoho! Endlich! Jetzt auch Currywurst! ruft es vom Banner. Endlich! Hurra! Hahaha! Go fuck yourself! Der alte Bahnsteig wird abgerissen und der knallrote Bratwurststand hoffentlich gleich mit! rufe ich entgegen.

Aber wahrscheinlich knallen sie nach dem Abriss wieder nur einen Neubau hier hin, der noch mehr leuchtet, und die Wurst wird noch ein Stück schlechter als sie jetzt schon ist. Alles andere wäre ja so was völlig Irres wie Verbesserung und das geht nicht in dieser Stadt, in der es immer noch ein bisschen ranziger und damit einhergehend immer auch teurer werden muss. So gesehen werden sie hier irgendwann reines Curryketchup mit Bratwurstrestenpüree anbieten – für einen Euro mehr als heute, die Wirtschaftslage, Inflation, Bankenrettung, sie wissen schon, wir bedauern das sehr. Krokodil anyone?

Und es wird sich immer noch ein Depp finden, der das kauft.

Große Currywurst XXL. Jaja. My ass. Verarsch mich doch.


King’s Bratwurststand
S-Bahnhof Ostkreuz


 

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