Last night the BK saved my life

Schönhauser Allee
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Schönhauser Allee. Halb drei. Nachts. Fast morgens. 10 doppelte Whisky. Zwei Dreifache. Bier dazu. Ich bin voll. Dicht. Breit. Zu. Hacke. Fett.
Mir geht es aber noch nicht so schlecht, dass nicht noch was zu essen drin wäre. Suffhunger. Alkoknast. Für meinen Zustand gibt es hier nicht mehr viel, was ich nicht gleich wieder rauskotzen würde. Der prekäre Kaplandöner hat zwar noch gerade so offen, aber ich möchte dem Dönermann heute nicht dabei zuschauen, wie er die letzten labbrigen Dönerfetzen vom lauwarmen schwarzgesprenkelten Fettrost in mein krossgetoastetes Fladenbrot klatscht. Wenn ich mal von der S-Bahn-Brücke auf die Gleise kotzen möchte, was ich in den vielen Jahren, die ich hier wohne, seltsamerweise noch nie gemacht habe, dann geh ich um diese Zeit zu Kaplan. Aber heute nicht.

Um die Ecke bietet Aceto Lokanta rund um die Uhr Gummipizza zu 2 Euro an. Leider muss ich heute keinen Wasserrohrbruch abdichten und schon gar nicht um diese Zeit, also kann mir Aceto heute nicht weiterhelfen.

Alle anderen Burgerbrater, also die richtig guten Burgerbrater dieses Bezirks, diese fiesen kleinen Selfmade-Studenten und ihre oft so guten Burger, die nichts mit Mäckes und dem König zu tun haben, haben schon zu, ihren Bürgersteig hochgeklappt wie zuhause in Bietigheim-Bissingen. Die Pussies. Nix zu holen.

Aber Burger King hat hier aufgemacht. Ganz neu. Home of the Whopper. Beste Lage. Burger King. Immerhin. Ich kann noch so viel saufen, so viel bis mein Körper ohne jegliche neuronale Verbindung zu meinem totgesoffenen Hirn in einem halbrechten Winkel mal mit Rechts-, mal mit Linksdrall die Schönhauser Allee hochschlurft wie ein Hipster in seinen Hosenscheißerhosen oder die Penner vom Helmholtzplatz, wenn die drei Flaschen Goldkrone kurz nach Mittag endlich doch mal weggeknallt sind und es Zeit wird für Bier – aber Burger King geht immer. Der Scheißdreck bleibt drin und führt mir die notwendige Energie zu, die ich brauche, um den schwankenden Körper irgendwie nach Hause ins Bett zu lotsen.

Hinter der Theke steht der Wedding. „Alter, die Tuss war operiert, ischwör.“ „Lallstu Opfer Alter, war voll natur die Titten, lan? – Oh, guten Abend, der Herr, was wollen Sie haben?“ Von Wedding zu Hochdeutsch in einer Nanosekunde – es geht!
Nur bei mir gerade nicht: „Nemmischnschiisbörgerpommesunnbigking.“ „Haben Sie nisch was vergessen?“ „Bitte. Alter, lan?“ „Haha, nein, Getränk dazu?“ „Aso. Whiskyohneisbüdde.“ „Haha. Ehrlisch. Mann“ „Neinegalnegola.“ Jetzt bin ich der Wedding, ich krieg keinen normalen hochdeutschen Ton mehr raus, macht aber nichts, der Wedding hinter Theke versteht den davor und freut sich. Und ich freu mich auch. Ich kriege was ich will und er gibt sogar ehrlich raus obwohl ich sichtbar dicht und damit 100% abzockbereit bin. Top.

Ja und ja und verdammt nochmal ja, ich fresse Burger King in Prenzlauer Berg, weil der Scheiß sogar zu dieser Uhrzeit einfach nur schmeckt als würde ich ihn um 12 Uhr mittags oder morgens um 7 bestellen. You always know what you get. Woanders krieg ich um die Uhrzeit nur noch Schrott oder höchstens eine aufs Maul, hier krieg ich das, was man kennt, nix Bio, fuck Fairtrade, Feldenkrais-Dinkelkeks my ass.

Aber immer besser als der Mäc gegenüber. Immer.

Gute Nacht, BK, bis bald wieder, weil du der Letzte bist, dessen Scheiß man um diese Zeit auf der Schönhauser essen kann.

Burger King
Schönhauser Allee 80
10439 Berlin