Der Terrorkleber von Prenzlauer Berg

Der klebt alles zu

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Mein Haustüre wird von Touristen vollgepinkelt, von allen Paketdiensten dieser Welt mit erdbebenfesten Klebestreifen vollgeklebt, von Kinderdeppen mit Edding vollgetaggt und von Kettritz mit Aufklebern dekoriert.

Kettritz? Who the fuck is Kettritz?

Kettritz ist der Schlüsseldienst, der es übertreibt. Ich habe inzwischen ein „Kettritz-Schlüsselnotdienst 24h“-Schild über der Türklinke, unter dem Türschloß, über und unter den Klingelschildern und seit neuestem:

Auf meinem Briefkasten.

Auf meinem Briefkasten!!!

Alter, es reicht. Ich weiß jetzt, dass es dich gibt und ich weiß auch, dass du Schlösser aufmachen kannst. 24 Stunden am Tag. Krasse Scheiße! Deine Telefonnummer kenne ich auch schon auswendig, weil du nicht nur meine Haustüre, sondern mittlerweile auch mein Treppenhaus mit deinen Aufklebern volltackerst. Ich mach die ja immer wieder weg, aber die kommen immer wieder neu. Wie ein Bumerang. Oder der Müllzettelnazi mit seinen Mülltrennungsanweisungen an den Mülltonnen, der schreibt auch immer wieder neue Zettel.

Meine Güte, da muss ein Festangestellter 24 Stunden durch Berlin laufen und nichts anderes zu tun haben als die Welt mit deinen Aufklebern zu beglücken, damit jeder Idiot, der sich mal ausgeschlossen hat, auch an jeder letzten Ecke jedes letzten Hauses dieses allerletzten Kiezes lesen kann, dass es dich gibt und du Schlösser aufmachen kannst. 24 Stunden am Tag. Krasse Scheiße.

Die Halbwertszeit eines von mir eigenhändig weggeschabten Aufklebers, der auch noch so fest klebt, dass es mich schon zwei Fingernägel gekostet hat, beträgt eine Woche – dann hängt ein neuer dran, den ich auch wieder wegmache. An meinem Briefkasten. Was soll das? Läuft ein infantiler Kettritz-Fanclub durch den Kiez und zwangsbeglückt die Welt flächendeckend mit diesen gottverdammten Schlüsseldienststickern? Das ist schon keine Werbung mit der Brechstange mehr, das ist Werbung mit der gottverdammten Neutronenbombe.

Kettritz, hör mal zu, ich bin hartnäckiger als du, wir können das die nächsten 80 Jahre machen, selbst wenn ich halbtot meinen krebszerfressenen Körper an Schläuchen, mit Katheder im Puller und Venentropf im Rückenmark vom Sterbebett in mein Treppenhaus zu meinem beklebten Briefkasten schleppen muss, ich pul die ab. Alle. So lange ich lebe. Oder bis du tot bist. Oder endlich pleite. Ischwör.

Einer von deinen Leuten war übrigens auch mal bei mir und sollte mich beraten, wie man meine traditionell unsichere Haustüre sicherer machen kann. Ihm fiel nichts ein, dann ging er wieder. Wahrscheinlich, um noch ein bisschen Werbung zu machen.

Die Konkurrenz hat das hinbekommen. Aber ist wahrscheinlich auch nicht so sehr damit beschäftigt, Briefkästen und Türen zu bekleben.