Rootz

 

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Rootz, vegetarisch, Kreuzberg

Das Rootz mit seinem etwas unglücklichen Namen (streichen Sie doch mal spaßhalber ein „o“, haha, total witzig, ich weiß) widerlegt die allseits beliebte Behauptung, dass vegetarisches Essen nicht schmeckt.

Burger, Wraps, Sandwiches, Bagels, die Ausrichtung ist klar amerikanisch, jedoch durchgehend ohne Fleisch. Was nicht schlimm ist, aber ich weiß ja nicht, wie ein Amerikaner das sehen würde.

Hat man sich als chronischer fleischfressender Lämmermetzler (deren Haut ich diesen kleinen flauschigen Wollknuffeln im Übrigen am liebsten bei lebendig blökendem Leib abziehe, gerbe und mir eine Lederhose daraus mache, aber erst, nachdem ich das frisch blutende rote Fleisch roh mit meinen Fangzähnen zerstückelt unter Beigabe einiger Zwiebeln, saurer Gurken und einem Glas Rioja verzehrt und dann mit blutverschmiertem Clownsmund arme kleine dumme Veganerblagen in Prenzlauer Berg erschreckt habe, die dann für den Rest ihres Lebens alle ortsansässigen Psychotherapeuten für immer vor der Arbeitslosigkeit bewahren) erst einmal hier hinein in das Zentrum derjenigen getraut, die den Tieren das Futter wegessen (haha, ohne den uralten Schenkelklopfer geht es nicht, superwitzig, ich weiß), darf man sich freuen.

Der Spicy Black Bean Burger zum Beispiel kommt überraschend intensiv im Geschmack daher, leicht rauchig, ganz leichtes Kohlearoma, dessen kräftige Note mit dem perfekt geschmolzenen guten Käse vollkommen korrespondiert, was zusammen mit der Kresse und dem restlichen Grünzeug eine außergewöhnlich gute Gesamtkomposition ergibt, das für Lichtenberger Gerüstbauer mit einem Magen wie ein Heuschober jedoch gerne auch ein wenig größer sein darf.

Das gängige Vorurteil, alle Vegetarier seien klein, dürr, verschrumpelt und brauchen deshalb nicht viel Nahrung, hätte ich daher mit Vergnügen hier gleich mit abgeräumt, kann ich aber leider nicht. Für den Preis darf die Portion gerne größer sein.

Der Chicken-Feel-A-Burger ist, nebenbei erwähnt, kein Euphemismus, sondern schlichte Tatsache. Feels like chicken, trust me.

Die Salatdeko zum Burger darf ausnahmsweise mit verzehrt werden, denn das Dressing lohnt sich sehr, wobei die Bezeichnung „Salat“ auf der Menütafel als gefühlte Beilage zum Burger als reiner Euphemismus zu werten ist. Es ist von der Menge her schlicht Deko und würde auch auf einen Löffel passen. Also: Ein wenig mehr Masse geht auch hier noch.

Auch die Sandwiches, Wraps und Bagels können ohne Einschränkungen empfohlen werden, sie müssen sich nicht nur nicht vor den üblichen dahergelaufenen Fleischvarianten verstecken, sondern lassen diese hinsichtlich Geschmack und Güte weit hinter sich. Veggi-Style zum Angewöhnen. Sagt ein Fleischfresser. Mit Überzeugung.

Die Pommes sind gut gemachtes Handwerk in Form echter Kartoffelecken, die mit Schale in erstaunlich gutem Fett gebadet werden. Kein Tiefkühl-Schrott, kein Billig-Ranz, kein minderwertiger Designfood-Dreck aus den Chemielaboren dieses Landes.

Die Soße dazu kann aus dem reichhaltigen – ausgesprochen gut sortierten – Sortiment an der Theke selber gewählt werden und zwar da wo das kostenlose Leitungswasser mit frischer Minze steht. Pluspunkte.

Normalerweise sind Vegetarier für mich gerne dankbares und daher stets lohnendes Ziel gutgemeinten Spottes, zu gerne überreiche ich als Mitbringsel zum Geburtstag des Vegetariers eine saftige Fleischtomate (haha, Knallergag, wieder total witzig, ich hau mich weg) bevor ich dann doch den Whisky hinter dem Rücken hervorhole, aber hier verneige ich mich ohne Hohn, ohne Spott vor den Kochkünsten.

Echt gut.