Ring-Center

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Ring-Center, Einkaufszentrum, Friedrichshain

Überall in Berlin verteilt stehen die Reste nationalsozialistischer Machtarchitektur rum, entweder als Bunker, Schwerbelastungskörper, früheres Luftwaffen- und heutiges Finanzministerium oder als ehemaliges Flughafengebäude.

Ich habe das Ring-Center an der Frankfurter Allee zunächst ebenfalls für eine solche Hinterlassenschaft gehalten, von dessen Dach die Russen 45 nur die Flak abmontiert haben. Wuchtig, düster und grau dominiert es diesen Ort, einschüchternd, den Menschen mit seinen großflächigen Sichtbetonachsen kleinmachend – ein grotesk schmuckloser Betonkasten zwischen hübsch sanierten Altbauten, respektlos in den Friedrichshainer Sand erbrochen mit dem Charme und der Ausstrahlung eines Borgwürfels.

Ich habe mich seinerzeit gefragt wofür dieses abstoßend hässliche Gebäude eigentlich vor seiner Nutzung als Einkaufszentrum verwandt wurde und vermutete wahlweise Atombunker, Elektrizitätswerk, Knast oder Filiale von Kaufland, die ja so manche Landschaft gerne mit ihren fürchterlichen Architekturgulags aus Wellblech, Lüftungsrohren und Stahlbeton nachhaltig abwerten.

Nein, dieses bunkerähnliche Ding wurde wirklich Mitte der 90er gebaut und ist nur ein weiteres Beispiel dafür, dass heute nur noch in Ausnahmefällen – quasi als unbeabsichtigter Betriebsunfall – ansehnliche Neubauten errichtet werden, die sich optisch einfügen in ihre Umgebung. Ansonsten gerne viel Sichtbeton mit etwas Glas, auf jeden Fall grau und möglichst schmucklos, unansehnlich und nichtssagend, dafür protzig, klobig und auf keinen Fall individuell sowie gerne völlig unpassend direkt neben schönen Altbauten im Jugendstil wie hier.

Das Ring-Center hat ein weiteres Gimmick zu bieten: Es ist nicht nur hässlich und klobig, sondern auch unübersichtlich, eng und zweigeteilt, wobei man das zweite Gebäude nur über Umwege unter der S-Bahn-Brücke erreicht, wo die Geier der Tierschutzvereine, Zeitungsdrücker und Handyverkäufer auf ihre unwilligen Opfer lauern. Für einen bequemen Durchgang von Ring Center I zu Ring Center II hat wohl das Geld nicht mehr gereicht – wie auch offenbar für ein Mindestmaß an Ästhetik.

Das Ringcenter beinhaltet die übliche Centermischpoke aus Medimax, Real, H&M und so weiter – kennste eines kennste alle -, hat aber auch Highlights wie Pandora oder eine recht gute kulinarische Ecke im Basement von Center I am Start.

Trotzdem, ich mag hier nicht gerne sein. Jedes Mal wenn ich diesen Bunker betrete warte ich auf die Sirene, die mich vor den alliierten Bombern warnt, wandle geduckt durch enge halogenbeleuchtete Gänge und freue mich darauf, so schnell wie möglich nicht mehr hier zu sein, sondern irgendwo, wo die Umgebung lebensbejahender ist.