Sasaya

img_20190112_1018435920942477237525644.jpg

Sasaya, Sushi, Prenzlauer Berg

100 Punkte für das Sasaya.

Ich war ja skeptisch. Best Sushi ever. Original Japanisch. Sushi-Meister. Aus Nippon. Hört man so. Überall. Aus allen Ritzen und Ecken. „Sasaya! Best lecker ever ever lecker to die for!“

Und Superlative dieser Art hört man ja so oft, meistens von Kretins, die gerne auf Parties mit Wikipedia-Wissen vom Etikett der mitgebrachten Weinflasche von Edeka prahlen oder sich in der Galerie Lafayette nutzloses Wissen über Milchmaische mit Torfdung-Ziegenscheiße-Flavor eines Käses aufschwatzen lassen, der gerade dringend weg muss und auch dies wieder auf sinnlosen Parties unter Inkaufnahme spontanen Hirnschwundes bei ihren Opfern zum Besten geben. (Bildung braucht man heute nicht mehr, man muss sie nur gut vortäuschen können.)

Und genau diese Leute wissen auch meistens, wo es das original japanische Sushi gibt, weil ein Betreiber auf seiner Website geschrieben hat, dass er mal in Hongkong für teuer Geld einen Sushikurs bei einem kambodschanischen Sushimeister, dessen Schildkröte nach dem Koreakrieg aus Japan eingewandert ist, belegt hat. Da haben sie dann abgelesen, dass das da total original ist, glauben das als käme es von Sri Chinmoy persönlich und posaunen in die Welt, dass es dort definitiv das beste Sushi ever (EVER!!!!!1) gibt. Sasaya! Ever Bestes Sushi Ever! (Ich empfehle dazu hektische Handbewegungen links und Prosecco rechts – oder umgekehrt, je nach Stand des Mondkalenders oder was Sri Chinmoy dazu sagt).

Gähn.

Lall doch im All. Das ist doch wieder so ein Prenzlauer Berg-Hip-Scheißdreck-Affektierter-Medienfuzzi-Angeber-Mist, dachte ich.

Ist es nicht.

Ich hatte unrecht.

Ist so.

Muss man einräumen können.

Das Sasaya macht in meinen Augen das geschmacklich herausragendste Sushi ever (ich spreize gerade meinen linken kleinen Finger in 45° von der Hand ab und wedele wild in der Luft herum während meine Stimme zunehmend schriller wird – Ever! Ever! Ever! Best Ever to die for!!!!!!!1), zumindest innerhalb jener Anbieter, bei denen ich bis dato Sushi kulinarisch vernichten durfte. Ehrlich. Ever.

Ja. Wir sind hier im Sasaya deutlich teurer als bei der Dumping-Sushi-Thaibutze, die sich mittlerweile mit Ihren 50%-Rabatten an jeder Straßenecke klont, aber das muss auch so sein.

Der sehr intensive Fisch (sogar der Lachs ist erfreulich dicht im Geschmack) durchzieht auch den erfreulich wenigen Reis, die Kombinationen mit der Unagi- und der Chilisoße sind elegant, stimmig und ergeben Sinn. Auch das exklusivere Sushi in Form von Seeigel oder der diversen Muscheln schmeckt ungeahnt gut, so dass man das Kunstwerk fast wie ein schnöseliger Weinkenner minutenlang im Mund hin und herschieben möchte.

Die Klasse zeigt sich auch im Detail: Sehr intensive und nie so gut genossene Unagi-Soße, Wasabi, der fein durch die Nase zieht, ohne gleich wieder aggressiv einen Flächenbrand zu verursachen, Sojasoße, die tatsächlich schmeckt, nicht die versalzene Kikkoman-oder-noch-billiger-Unverschämtheit, die man sonst bekommt, und zuletzt als einer der Höhepunkte: Der Ingwer.

Der Ingwer.

Ja, tatsächlich.

Ischwör.

Ingwer bleibt ja bei Sushi gerne mal in Massen übrig, weil es leider immer öfter (oder eigentlich fast nur noch) der ganz billige eingelegte Industriescheiß vom Asia-Großmarkt ist, der nie schmeckt, weil er jeden Geschmack an seine viel zu dominante Lake abgegeben hat, wo er dann verkümmert und nur noch sauer ist. Gelegentlich nehme ich etwas von diesem immer viel zu sauren Ingwer zu einem Stück Sushi hinzu, meist bleibt er jedoch lieber liegen und wird später weggeschmissen. Eine Verschwendung.

Den Ingwer, der auch hier beim Sasaya reichhaltig dem Sushi beigegeben wird, habe ich komplett aufgegessen. Alles. Und zum Großteil pur. Denn er schmeckt frisch eingelegt und hat noch den typischen Ingwergeschmack samt Schärfe. Ganz stark. Ganz weit vorne. Nie so gut bekommen.

Zuletzt kommt noch hinzu, dass das Personal des Sasaya trotz ganz offensichtlichen Könnens immer noch nicht abgehoben ist und sich zu meiner Freude nicht für Gottes Geschenk an die Welt hält. Man ist immer noch freundlich, verbindlich, schnell und auch der Sushimeister grüßt zum Abschied mit seinen Könnerhänden hinter seiner Theke hervor, freut sich ganz offensichtlich, dass man da war und wünscht alles Gute.

Und das in Prenzlauer Berg. Eine Freude.

Ja. Ein gutes Lokal. Ja. Ein sehr gutes sogar. 100 Punkte auf einer Skala von 1 bis 5. Besser 200.