Ali Baba

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Ali Baba, Döner, Prenzlauer Berg

4.30 Uhr in Berlin-Prenzlauer Berg – Eberswalder Ecke Schönhauser. Normalzustand. Im Hauseingang drüben sitzt ein Trinker und trinkt, als ginge es um sein Leben. Was wohl zutrifft. Ich bin mindestens genauso dicht. Auf der Mittelinsel kotzt ein Tourist. Eine Batikhosenemanze mit ekelhaft filzigen Dreadlocks macht ihren devoten Freund zur Schnecke. Ein Radfahrer rempelt mich an. Ich habe Hunger. Zu großen Hunger, der sich katastrophal diametral zu meinem momentanen Ausdrucksvermögen und Gleichgewichtssinn verhält.

Inder?

Zu.

Hotdog-Stand?

Zu.

Konnopke?

Auch zu. Scheiß Provinzler.

Mr. Pong hat nix zu essen, die Kulte auch nicht mehr und im Prater ist auch Ebbe. Und der Mäckes ist viel zu weit weg, den Weg überleb ich nicht mehr.

Ali Baba … natürlich, der hat immer offen und auch immer was zu essen da.

Moment, hieß der früher nicht mal „Ali Baba und die vierzig Hähnchen“ und war damit der Brüller vom Prenzlauer Berg? Schade, die 40 Hähnchen hat er wohl irgendwann um die Jahrtausendwende verloren, wahrscheinlich um aktiv etwas gegen das Dauergegacker der Touristen zu tun, die dem Hähnchenspieß hackedicht „Sesam öffne dich!“ entgegengelallt haben.

Ali Babas Döner also. Die Fressstation für alkoholbedingten Heißhunger in Prenzauer Berg morgens um halb fünf. Na super, fragt mich doch einfach:

Ist das Fleisch der üblich langweilige Chicken-Mist? Ja!

Ist das Fladenbrot wenigstens ansatzweise originell? Nein!

Sind die Soßen raffinierte handgemachte Kreationen ohne Beteiligung der deutschen chemischen Industrie? Niemals nicht!

Kommt der Döner trotzdem geil – so morgens um 4.30 Uhr mit einem durch vorsätzlichen Alkoholmissbrauch hervorgerufenen Elektrolytmangel? Auf jeden!

Mehr muss Ali Baba nicht leisten, zumindest nicht um diese Uhrzeit.

Kann er auch nicht. Bei Tage gesehen.

Der Lebensretter bei Nacht.