Amazon

img_20190112_1018435920942477237525644.jpg

Amazon, Internetversand

Amazon frisst sich durchs Internetgeschäft und das machen sie gut. Ich bin da Kunde. Ich kaufe da fast alles. Nicht unbedingt weil es dort immer am billigsten ist, aber die Abwicklung ist unproblematisch. Immer. Nie Probleme. Seit Jahren. Ungewöhnlich im Internet.
 
Es ist wohl Konzept, dass ein Kunde bei Amazon eine sehr starke Stellung innehat. Ist man aus irgendeinem Grund unzufrieden, wird das Geld prompt zurückgebucht, weil der Zahlungverkehr nicht über Externe läuft, sondern Amazon das selber managt. Kleine Wege – keine Probleme.

Das gilt auch für Amazon Marketplace, von wo ich zunehmend mehr Dinge bestelle, bei Büchern gerne auch gebraucht. Hier verdient Amazon an jedem Verkauf mit, den ein anderer Anbieter unter der Flagge von Amazon mit mir einfädelt. Wie das geht, dass das Zeug trotz der sehr hohen Provision oft billiger ist als anderswo weiß ich nicht und manchmal will ich’s auch gar nicht wissen.
 
Als Händler, der man dort unter der Flagge von Amazon Neues oder Gebrauchtes verkauft, hat man eine ungewöhnlich schwache Stellung. Eher gar keine.
 
Ich habe mal über Amazon Marketplace über mehrere Monate verteilt meine DVD-Sammlung aufgelöst, solange sie noch Kohle bringt (weil die Zukunft das Bestellen von Filmen on demand via Datenleitung ist und nicht das Horten von altmodischen Datenträgern) und musste einen Schwund von etwa 10 % verbuchen. Das sind etwas um die 20 DVDs, die einfach auf dem Weg von mir zum Käufer verschwunden sind.
 
Wie kann das sein? Da ist doch nicht immer die Post dran schuld, oder?
 
Naja, die Post ist sicher an vielem schuld (vor allem an den unendlich langen Warteschlangen in ihren Filialen, von denen irgendwann ganz sicher einmal eine blutige Revolte in diesem Land ausgehen wird), aber wahrscheinlich nur an einem Bruchteil des Schwundes.
 
Wie geht das?
 
Ganz einfach: Sie bestellen als Kunde eine DVD bei einem kleinen privaten Verkäufer auf Amazon Marketplace, erhalten höchstwahrscheinlich die DVD recht zügig und behaupten dann nach zwei Wochen, dass die DVD gar nicht ankam. Daraufhin erhalten sie in der Regel vom Verkäufer den Betrag erstattet, der sich den Verlust als Lehrgeld hinter die Löffel schreiben muss, mehr aber nicht machen kann, weil sich der versicherte Versand, Sendungsverfolgung oder Einschreiben bei Beträgen von um die 5 Euro pro DVD nicht lohnt. Eine andere Alternative als die Erstattung hat der Verkäufer nicht, denn erstattet er nicht, erstattet Amazon zwangsweise. Und niemand wird je überprüfen, ob der Kunde die DVD tatsächlich nicht erhalten hat.
 
Was will man auch machen? Es gibt in einem solchen Fall keine Handhabe. Zero. Der Kunde behauptet, es ist nix da (was zugegebenermaßen manchmal auch stimmen wird, manche Dinge verschwinden einfach, zum Beispiel meine Socken in der Waschmaschinentrommel), aber Sie wissen bei einigen dieser Patienten einfach instinktiv, dass Sie verarscht werden und können doch nichts tun, außer in ein Kissen zu beißen oder Baldrian intravenös einzunehmen.
 
Einer war ganz kreativ, der hat behauptet, in den DVD-Cases aller drei DVDs, die er bestellt hat, wären jeweils völlig andere DVDs drin als er bestellt hat. Das ist offensichtlicher Unfug, da müsste ja jemand bei der Post die DVDs ausgetauscht haben, nachdem er das Paket ausgepackt und nach dem Tausch neu gepackt und beschriftet hat. Braindead. Aber was tun? Soll ich nach Bergisch-Gladbach, Uelzen oder Chisibubikaio fahren, an der Wohnungstür des Bestellers klopfen und fragen, ob ich das überprüfen darf? Bei 20 Euro Warenwert? Von der Sinnlosigkeit des Unterfangens einmal abgesehen? Dann lieber erstatten und abhaken.
 
Tja, ist sowas nicht unredlich? Ist das gar Betrug? Sicher, aber dagegen kann man nichts machen, zumindest nicht bei Waren von geringem Wert wie gebrauchten Büchern oder DVDs. Es ist ein Betrug ohne Risiko und es gibt eben einen gewissen Prozentsatz Krimineller auch auf Kundenseite. Das rate ich einzukalkulieren, wenn man vorhat, bei Amazon Marketplace was zu verkaufen. Die Welt ist auch hier kein Ponyhof.
 
Ich habe auf diese Art etwa 100 Euro Schwund bei meinem DVD-Räumungsverkauf eingefahren und ich bin mir sicher, das war nicht alles die Post, die das verloren oder geklaut hat. Pech, sicher, und ich habe als privater Dödel mit dem Verkauf der restlichen 90% an ehrliche Kunden immer noch einen ordentlichen Schnitt gemacht, aber ich frage mich, wie ein kleiner gewerbsmäßiger Händler unter der Flagge von Amazon überleben kann, wenn man wie ich eine so hohe Quote an Schwund hat.
 
So bleibt: Amazon ist sicherlich für Kunden eine gute Adresse, aber aufgrund der recht hohen Gebühren und der völligen Rechtlosigkeit als Verkäufer würde ich eher davon abraten, hier als gewerbsmäßiger Händler einzusteigen.