Links vom Fischladen

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Links vom Fischladen, Milchshakes, Prenzlauer Berg 

„That’s a pretty fucking good milkshake. I don’t know if it’s worth five dollars but it’s pretty fucking good.“
(Vincent Vega)

Ein gewöhnlicher Tag in Berlin-Prenzlauer Berg. Unter meinem Balkon steht ein Typ mit Pagagei auf der Schulter. Ein Opa im Sommerkleid fährt auf dem Fahrrad vorbei. Vier Prenzlmütter blockieren den Bürgersteig. Ich habe Durst.

Die Auswahl hier im Bezirk ist so ausufernd grenzenlos und sediert aufgrund der schieren Masse gerne jede Entscheidungsfähigkeit bis zur völligen Untätigkeit, so dass man am Schluß doch lieber mit einem Becks Ice apathisch in der Balkonsonne sitzt.

Es gibt libanesische, mongolische, persische, karthagisch-kongolesische und wahrscheinlich auch klingonische Restaurants, jeder multinationale Herr Rossi ist am Start und sucht sein Glück. Ich kann mich ins semischwule Lesecafe setzen, in eines der Milliarden auf alternativ getrimmten Latte-Cafes oder einfach irgendwohin wo gerade Biertische auf dem Bürgersteig stehen, also im Prinzip überall. Ob das jetzt ein Inder, Pakistani, Italiener, Hongkong-Chinese oder alles zusammen ist, lässt sich von außen nicht immer gleich erkennen und ist eigentlich völlig latte (haha). Man stumpft ja so furchtbar schnell ab, wenn es einfach alles gibt und einen aus Überflussgründen nichts mehr so richtig vom Hocker zu reißen vermag – außer Becks Ice und Balkonsonne eben.

Wie so oft dringt der eigene Überfluss erst im Mangel wieder ins Bewusstsein, so etwa wenn es auf dem Ausflug zum See in die brandenburgische Provinz wieder nur reihenweise die gruseligen Tiefkühlprodukte von „Dany´s Snack“ in irgendwelchen finsteren Dorfkaschemmen gibt, die das letztemal anlässlich des 50. Geburtstags des Führers renoviert wurden und mich das Gefühl nicht loslässt, die „Super Flute Salami“ und das „Schinken-Käse-Krusti“ stammen inklusive Publikum exakt aus dieser Zeit.

Ah, weiche von mir, Erinnerung.

Zurück auf die Schönhauser Allee: Huh? Was ist das? Links vom Fischladen? Wow, im Szenebezirk der bescheuerten Gastronamen dann doch mal eine Innovation.

Na gut, okay, nicht wirklich.

Und was gibt es hier? Milchshakes? Über 100 Sorten? Krass, und täglich grüßt das Entscheidungsdilemma. So dreht man sich hier im Kreis. Ich kann wählen zwischen Nutella, Duplo, Bounty, Toblerone, Kinderschokolade, Gummibärchen, Erdbeer-Joghurt-Maracuja, Litschi-Johannesbeer-Honig-Salbei und es steht sogar Hering auf der Karte. Meine Güte, die bringen wirklich alles in die Milch. Geil. Meine Nachfrage nach einem Kolostralshake (eigentlich im Prenzlauer Berg vom reinen Beschaffungspotenzial her kein Problem) blieb zwar leider unbeantwortet, die Shakes aber, die zu probieren ich das Vergnügen hatte, sind richtig gut.

Keine Ahnung, ob sie fünf Dollar wert sind, aber sie sind verdammt gut.