Dante

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Dante, Club, Mitte

Der Hackesche Markt in Berlin ist ein Ort, den man als Einheimischer ebenso wie die Oranienburger Straße eher selten bis gar nicht betritt. Dieser Platz ist fest in der Hand von Touristengruppen aus aller Welt und das hier ansässige Gewerbe untrennbar mit dieser Zielgruppe synchronisiert.

Hier freut sich der Tourist über irrwitzig überteuertes Sicherheitsschuhwerk aus London, Eisbecher und Espresso von dessen Gegenwert eine 4-köpfige Familie eine Woche lang über die Runden kommen könnte, völlig überteuerte – dabei jedoch konsequent nichtssagende Gastronomie und – etwas versteckt um die Ecke – den wahrscheinlich teuersten Straßenstrich Berlins, wenn nicht gar Deutschlands. Passend dazu gibt es natürlich einen Starbucks, der seinen überteuerten und wie üblich völlig belanglosen Kaffee an diesem Ort so treffend wie fast nirgendwo sonst vertickt.

Und dann gibt es noch den Club Dante im S-Bahnhof. Kaum mehr charmeversprühend als eine Schülerdisco in Angermünde, zumindest was das Ambiente, die Musikauswahl und den Altersdurchschnitt des Publikums betrifft, sonnt man sich hier an prominentem Ort unweit der wirklich angesagten Ecken Berlins in der eigenen gefühlten Wichtigkeit, obgleich diesen Ort noch nie ein Promi betreten hat, der auch nur ansatzweise noch was werden will. Zu sehen gibt es maximal F-Promis aus dem Dunstkreis des Big-Brother-Containers.

Es ist ein auf den unbeteiligten Betrachter ungewollt komisch wirkendes Festival der Eitelkeiten, maßgeblich geprägt von den hier versammelten Unsympathen Berlins, die sich einerseits als Türsteher und andererseits hinter der Theke verdingen und dem vorwiegend minderjährigen Publikum, welches hier sein monatliches Taschengeld verbrät, ihre geballte Verachtung spüren lassen.
Dieses ganze furchtbar würdelose Gehabe lässt sich am ehesten vergleichen mit einer Gruppe Berufsschüler, die eine Gruppe pickliger Unterstufengymnasiasten mit lädiertem Rückgrat auf dem Schulhof demütigen. Sehr mutig, das Ganze.

Ja, hier bekommt der Tourist – zumeist auf Klassenfahrt in irgendeinem miesen billigen Hostel in Moabit untergebracht – die volle Dröhnung hauptstädtischer Arroganz direkt und ohne Umwege in die picklige Fresse gedroschen, mangels Erfahrung von dem Glauben beseelt, dass Berlin kraft eigener hauptstädtischer Wichtigkeit eben so kalt und abweisend sein muss, dass Guido Westerwelle daneben fast schon wie ein Menschenfreund aussähe, stellte man ihn mitten auf die Tanzfläche.

Nein danke, Dante, ihr seid nicht Berlin. Ihr seid nur ein weiterer rufschädigender Club, den es schon viel zu lange gibt. Aber Cocktails machen könnt ihr – immerhin. Aber das kann die Schülerdisco des Einstein-Gymnasiums in Angermünde im Zweifel auch.