Dr. Pong

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Dr. Pong, Bar, Prenzlauer Berg

Dr. Pong – der gefakte Abklatsch des anarchischen Prenzlauer Bergs von früher kurz nach der Wende.

Selbstredend völlig legal, umgibt Dr. Pong dennoch der zarte Hauch der Illegalität, ein Touch der Anarchie aus Anfang bis Mitte der 90er, als in den Kellern, Hauseingängen und optisch ausgebombten Ladenflächen reihenweise illegale Bars, Kneipen, Clubs, Technohöllen, Punkschuppen aus dem Boden sprossen, aus einer ganz anderen Ära, als sich noch keine Sau einen Deut um Lizenzen, Gewerbeanmeldungen, Steuer oder sonstigen Schnickschnack geschert hat.

Dr. Pong verkauft die Illusion des gesetzlosen Underdogs fast schon generalstabsmäßig professionell und dies inzwischen auch in jedem Touristenführer, der was gelten will und sich daher stolz mit diesem zwielichtigen Untergrund-Feigenblatt Seit an Seit mit den üblichen Berliner Tourifallen schmückt.

Und was raunen sich die Gäste aus Oberschwaben, Niederbayern oder Unterfranken beim Tischtennisspiel nicht so alles zu? „Pssst, ischn total illegales Ding hier. Und die Bullenwache gleich nebenan, ey. Manchmal reitet die hier ei und machet dicht.“ Au weia, hilfe hilfe, schlotter schlotter, rette sich wer kann. Wir werden alle sterben.

Es ist wirklich eine auf groteske Weise komische Situation, wenn der Tourist aus Bamberg hyperaktiv ganz aufgeregt mit feuchtem Höschen das Schreckensszenario der einreitenden gepanzerten Hundertschaft an die Wand malt, vor Spannung bebend und schon Tränengas riechend den Tischtennisschläger nicht mehr oben halten kann und nervös nach seinem zwecks Beruhigung bestellten eisgekühlten Wodka-Rhabarber greift – in seiner ganz eigenen fiebrig-feuchten Erwartung, die Nacht als ruchloser Hausbesetzer in Isolationshaft zu verbringen.
Zuhause in Bamberg kann er dann erzählen, dass es ihm gelang während der Razzia durch das Kellerfenster dieser so högscht illegalen Spelunke zu fliehen, wo er sich vor dem Schlafzimmer einer barbusigen Rothaarigen wiederfand, die ihm bereitwillig Unterschlupf in ihrem Wasserbett gewährte, während draußen alles abgehaftet wurde, was Beine hat.

Sorry, zurück zum Ping Pong: Bitte nicht falsch verstehen, das Konzept ist clever, astrein kommuniziert, Guerilla-Marketing nach Lehrbuch und ich erkenne das ausdrücklich an. So geht´s: Tischtennisplatte in die Mitte, massenhaft billigen Suff ausschenken, minimalistisches beziehungsweise gar kein Interieur, im Hintergrund Understatement-PunkrockElectroEBMIndustrial, gekrönt von einer stylish-subversiv anmutenden Homepage, mit der sich einer der gefühlt drei Milliarden Grafikdesigner aus Prenzlauer Berg verwirklicht hat und die dem ganzen Tourifang einen tieferen Sinn zu verleihen versucht. Und dann noch an den richtigen Ecken die Gerüchte gestreut, die sich von Tourist zu Tourist weiterverbreiten und -peng- der Laden brummt und das Studium ist finanziert.

Respekt, nee ehrlich, ist schon prima so, passt in die Zeit und an diesen Ort und der Erfolg gibt sowieso immer recht.

Nur, Leute, illegal ist das alles nicht, was auch immer Marco Polo, Kalle aus Bochum oder der TUI-Katalog euch so erzählen.

Hyper Hyper.