Postfiliale Mühlenbergcenter

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Postfiliale im Mühlenbergcenter, Prenzlauer Berg

Neulich habe ich mich auf einen längeren Aufenthalt eingestellt und mir dafür extra vom Netto unten ein Ciabattamettbrötchen, eine Müllermilch Schoko und für die Vitamine eine Salatgurke organisiert, weil ich bei der Postbank im Mühlenberg-Center eine Kontosache erledigen wollte. Ich rechnete mir aus, im Hinterkopf die Erfahrungen aller Postwarteschlangen dieser Stadt, dass ich damit die obligatorische Wartezeit einer durchschnittlichen Postfiliale halbwegs elegant überstehen würde ohne in der Warteschlange an Unterzuckerung, Nierenversagen oder Skorbut vor aller Augen auf dem Linoleumboden dahinzuscheiden.

Und dann?

Nix.

Nix?

Nix. Keine Warteschlange.

Keine Warteschlange? Bei der Post? Sie müssen verrückt sein!

Ja, ich bin verrückt, aber trotzdem: Keine Warteschlange.

Post! Was ist los? Habt ihr diese Filiale vergessen bei der ganzen Rationalisierung zu Lasten der Kunden, bei der alles immer schlimmer wird und man jederzeit damit rechnet, dass es in der Filiale zu einer Massenpanik und zu Ausschreitungen kommt? Oder liegt es nur daran, dass man genau gegenüber beim schmuddeligen Orion-Sexkramhandel Analplugs, Nippelklammern und Penisringe kaufen kann und sich deshalb keine der frigiden Ökotanten aus Prenzlauer Berg in diese Rotlichtecke hineintraut – fast so als sei hier die Herbertstraße auf St.Pauli?

Post! Hier muss was geschehen! Hier darf in Zukunft nur noch eine Mitarbeiterin arbeiten, keine drei. Eine reicht. Locker. Damit dürfte man auch in dieser Filiale in absehbarer Zeit vielleicht das postinterne Ziel erreichen, jede Schlange bis weit hinter das dritte nächste Gewerbe linksseitig reichen zu lassen. Die Mitarbeiterin darf zwar dann auch nicht mehr pullern gehen so wie bei Schlecker, aber das ist ja egal, sind ja eh nur Arbeitskräfte, sollen die sich doch Windeln kaufen.

Post! Die Mitarbeiterinnen sind auch noch viel zu freundlich, immer für einen Scherz gut und lächeln sogar. Das geht nicht! Die versauen deinen Ruf als Endlager für desillusionierte Ex-Beamte und Auffangbecken für gestrandete Menschenhasser aller Art, die ja immer alles sind, außer nett. Also bitte, so geht’s: Buche für teuer Geld eine externe Schulungsfirma, am besten die, die dem Schwippschwager eines deiner Vorstandsmitglieder gehört und die bringen dann der einen verbliebenen Mitarbeiterin diesen typisch geprügelten post-muffigen Koddergesichtsausdruck bei, den alle so sehr mögen. Für die graue Gesichtsfarbe und die herunterhängenden Merkelmundwinkel sorgt dann das noch zu schaffende miese Arbeitsklima und die dann vom ewigen Warten genervt sein werdenden Kunden.

So, das wär es dann für den Anfang. Jedoch so wie jetzt geht es im Mühlenberg-Center nicht weiter: Schnell, freundlich, kompetent. Das ist nicht Post. Echt nich.