Hakiki

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Hakiki, Döner, Prenzlauer Berg

Am Eingang der Schönhauser Allee Arcaden gibt es einen Döner. Immer schon. Der wechselt nur dauernd den Namen. Mal hieß der Bagdad, dann Istanbul, Fatih Servet oder BosporusIzmirAntalya4PersonenAllInclusive, wahrscheinlich abhängig von der politischen Großwetterlage – Kabul ist momentan nicht so angesagt, auch Islamabad würde ich mich als Döner momentan nicht nennen und Pjöngjang ist eh out – sowieso egal, denn der Döner bleibt bei allen Namensänderungen immer gleich: Belanglos, hackfleischmäßig eingedeutscht und mit nichtssagenden Industriesoßen verunfeinert. Allein das Gemüse ist immer frisch.

Jetzt also Hakiki. Und demnnächst vielleicht schon Titti-Kakka oder Fu-Man-Schu, Trullala oder Birnenkompott, Pippi Lotta Viktualia oder Kim Jong Mettigel, egal, der Döner wird auch dann gleich bleiben, wenn der Laden sich in Rachs Gourmettempel oder Biomütterdampfnudelexpress mit Sellerieschnittchen umbenennen würde: Langweilig.

Der Eingangsbereich der Schönhauser Allee Arcaden ist sowieso ein dankbarer Ort für Gastronomen. Hier kann man verbrannte Kekspizza, panierte Formfischreste, Glutamatpfanne zum doppelten Preis und wertlose Analogkäsestangen anbieten, egal, die Leute stehen Schlange und wollen es haben, völlig egal was es kostet und was da drin ist, wieviel Chemie verarbeitet wurde und wie lange man dafür in der Schlange stehen muss. Den nächsten freien Stand dort miete ich, verkaufe meine in Oregano-Olivenöl mit Balsamico-Essenz gebadeten und mit billigem Industrie-Fake-Roquefortimitat überbackenen Laufsocken vom letzten Volkslauf und werde stinkreich. Genial.

Die enorme Masse an Laufkundschaft ist auch für Hakiki eine tolle Sache, denn er wird den Döner immer zumindest ein Mal an Ahnungslose aus der Masse los, die den Döner probieren wollen, weil der Name ja neu ist und man immer denkt „Hey, geil, neu, mal probieren“. Ich bin da nicht anders.

Wahrscheinlich erfolgt auch immer genau dann eine Umbenennung, wenn zu viele nicht ganz Verblödete den Braten gerochen haben und schon nach dem zweiten Mal nicht mehr zum Dönerholen herkommen. Dann entfacht ein neuer Name wieder eine neue Hoffnungsblase, die dann doch wieder platzt und folgerichtig zum Umsatzrückgang führt, was dann wieder eine Umbenennung nach sich zieht. Ein Teufelskreis. Namenskarussell. Eine Zeitschleife mitten in Prenzlauer Berg. Und täglich grüßt das Fladenbrot. Supi.

Ich bin auch wieder reingefallen. Ich war da, habe einen Döner gegessen und mich nach Kreuzberg zurückgesehnt, wo es noch richtige Döner gibt, die so schmecken wie ein Döner schmecken muss. Döner, die auch von Türken gegessen werden. Nicht wie hier in Hakiki-Taka-Tuka-Land Prenzlauer Berg, wo Döner nie gut war und auch nie gut sein wird.