Spätzle Express

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Spätzle Express, schwäbisch, Kreuzberg

„Hilfe, die Schwaben übernehmen jetzt auch noch Kreuzberg nachdem sie den Prenzlauer Berg abgegrast und zur Vorhölle von Leinfelden-Echterdingen gemacht haben.“ hört man es hysterisch in manchen Bewertungsportalen im Internet krakeelen. Und das wahrscheinlich genau von denjenigen, die selber einwandert sind, zwar nicht aus Schwaben sondern aus Gütersloh, Kassel oder Paderborn und jetzt sehr erleichtert sind, dass es da jemanden anderen als Hessen, Westfalen und Pfälzer zum Bashing gibt, jemand anderen, der praktischerweise zum einen kein vernünftiges Deutsch kann und sich zum anderen auch aufgrund der neiderzeugenden wirtschaftlichen Potenz gut zum Draufhauen eignet. Gerade in Berlin.

Dabei haben die Schwaben eine lange Tradition in Berlin und stellen seit Jahrzehnten nach den Türken die größte Einwanderergruppe. Ähnlich wie die Türken brachten sie meistens auch ihr unternehmerisches Know-How in diese chronisch heruntergewirtschaftete und hoffnungslos verfilzte Hauptstadt der Alimentierung ein. So weiss man, wenn man sich auskennt, dass große Teile der kreuzberger Kneipenszene, in der die Eingeborenen schon zu finsteren Mauerzeiten ihre Stütze versoffen, seit den 70ern fest in schwäbischer Hand ist, und zwar hinter dem Tresen, nicht davor.

Schwaben sind es daher wahrscheinlich auch, die den Löwenanteil der anfallenden Sozialtransfers bezahlen, jedes Jahr den berliner Pisa-Schnitt vor dem endgültigen Absaufen retten und wahrscheinlich auch dafür sorgen, dass es hier nicht das ganze Jahr über bewölkt ist und regnet.

Aber ich muss relativieren: Was da nämlich seit Ende der 90er-Jahre massenhaft wie ein Krebsgeschwür aus dem schwäbischen Provinzhotel Mama nach Prenzlauer Berg eingewandert und heute fast flächendeckend fertig damit ist, den Kiez in eine legolandfarbene Designerhölle mit Kehrwoche in Friedhofsambiente zu verwandeln, hat mit den ehrenwerten Kreuzberger Schwaben nicht mehr viel zu tun, jenen zum Beispiel, die auf die Idee kommen, auf der Wiener Straße einen schwäbischen Imbiss zu eröffnen, in dem es für einen schmaler Taler schnelles schwäbisches Essen auf die Hand gibt: Maultaschen, Spätzle, Schupfnudeln in verschiedenen Größen.

Das ist jetzt keine Gourmetküche hier, wenn die schwäbische Küche eine solche überhaupt je sein kann (kann sie, unkt der Schwabe aus dem Off), aber es ist boden- und anständig, günstig und oft sogar ganz gut.

Die Maultaschen schmecken selbergemacht, sind als Grundzutat recht gut, werden allerdings nicht ganz so raffiniert präsentiert wie es möglich wäre, sondern gerne mal schnöde in die Pfanne gehauen mit einem Ei hinterher und leider immer mit zu viel Salz. Mehr Variationen im Inhalt wäre nett, wenn man sich schon die Mühe macht, selber Maultaschen herzustellen.

Die Schupfnudeln hingegen sind eine ziemliche Enttäuschung, sie lassen vermuten, einer dahergelaufenen Supermarktpackung zu entstammen und schmecken so fad, dass von ihnen komplett abzuraten ist. Auch hier ist darüber hinaus deutlich mehr Salz festzustellen als dem Gericht gut tut.

Die Paradedisziplin sind tatsächlich die namensgebenden Spätzle, die grundsolide bis herausragend daherkommen, je nachdem welche Beilage man dazu nimmt. Manchmal wirken sie etwas vereinsamt neben Gummigemüse aus der Büchse, manchmal in etwas zu muffigem Altöl gewendet, aber manchmal fügen sie sich perfekt in eine Komposition aus – sagen wir – Rucola, Oliven und Appenzeller Käse ein. Hier muss man – zumindest hinsichtlich des Tagesgerichts – Glück haben bei der Auswahl.

Halten wir also fest: Die Idee ist gut, die Umsetzung hingegen schwankt wie der Service, der sich gerne mal Zeit lässt und der Koch, der manchmal seine ganz eigene Vorstellung von der korrekten Reihenfolge der Bestellungen und bei größerem Andrang merklich Mühe mit der zeitgerechten Herstellung seiner Produkte hat.

Sei’s drum: Mittelmaß.