Eastside Burger

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Eastside Burger, Burgerladen, Friedrichshain

Einer der schlechteren Burgerbrater Berlins residiert am Ostbahnhof. Die meisten der neuen kleinen Burgerbratereien sind ja eine Bereicherung und eine erfreuliche Alternative zu den fürchterlichen McDonalds-Knautschburgern aus der Conveniencehölle. Dieser hier allerdings nicht.

Der Platz vor Galeria Kaufhof ist sowieso gestraft mit schon rein optisch furchtbar fürchterlichen Büdchen aller Art. Chinapfanne, ein Dönerladen namens „Chicken Paradise“ und sogar ein ranziger Bäckerwagen mit fragwürdigen Backwaren, die schon vom scharfen Hinschauen vorauseilend keksgleich krümeln, reichen sich hier ihr schmuddeliges Händchen. Rechts an der Ecke steht dann das schmuddeligste Büdchen von allen und bietet Burger, die der Optik seines Zuhauses in nichts nachstehen.

Bei der Beschreibung des Burgers nebst der Pommes, die beide unabhängig voneinander in der Lage gewesen wären, mir den Tag zu versauen, habe ich nur die Wahl, ausfallend zu werden oder in Bildern zu sprechen. Aufgrund der beiden hippen, freshen und herzerwärmend sympathischen jungen Typen hinter der Theke, die mehr Spaß beim Zubereiten hatten als ich beim Essen, soll es die zaghafte Variante des Verrisses sein, there we go:

Der Bun des Burgers erinnerte mich bei seinem Anblick von oben gesehen an ein Strahlenopfer im Siechtum kurz vor dem finalen Atomtod. Ihm war die oberste Hautschicht, auf der sich normalerweise die Sesamkörner auf braungebranntem Untergrund sonnen, fast komplett abgeplatzt, nur vereinzelt war anhand von bizarren heilgebliebenen Inseln nebst einsamen Sesamkorn noch zu ersehen, was dieses misshandelte Nahrungsmittel einst darstellen sollte.

Trotz fast flächendeckend abgeplatzter Epidermis wurde er offenbar munter weiter getoastet, wonach sich dann folgerichtig eine zwiebackartige Konsistenz des übriggebliebenen traurigen Restes Bun-Inneres herausbildete, von dem beim Abbeißen größere Stücke wie Eisbrocken von einem Gletscher in einen See aus ausgelaufenem Ketchup bröckelten. Argh.

Flashback. Das Fleisch im Burger machte mir ungefähr so viel Freude wie damals, als ich mir nachts im Suff unter dem Einfluss von Hunger, Verzweiflung und Agonie auf der vom Braten eines Steaks nach Holzfäller Art übriggebliebenen Kruste einer ungespülten Pfanne eine Boulette aus dem vom Vortag übriggebliebenem Hack gebraten habe, die zu allem Überfluss zu große Mengen der angebrannten alten Steakmarinade der Pfanne in ihr Innerstes mit aufnahm. Ein Desaster.

Das Fleisch hier bei East Station Burger besticht durch fiesestes und deutlich zu dominantes Kohlearoma, welches darüber hinaus unpassend säuerlich daherkommt. Örks.

Die Pommes sehen aus wie die aus dem billigen Großhandelssack, schmecken aber nicht ansatzweise so schlecht, sondern noch schlechter. Der völlig fehlende Geschmack dieser dicken Industriestäbchen wird versuchsweise kompensiert durch eine irrwitzige Menge Salz, dessen Nachwirkungen auch unter Einsatz von viel Wasser, Schnaps oder Riopan über die nächsten Stunden nicht beizukommen ist.

Im heraufziehenden Wahn dichtete ich ein wenig Poesie für die delirierenden Romantiker vom Ostbahnhof:

und so brannte sich das Salz

… durch meinen Hals

in meinem Körper

… der sich quälte vom Burger

und auf dem Klavier

… steht ein Glas Bier

Tusch.

Haha.

Tolle Büttenrede, Alter. Geh kacken. Karneval is vorbei.

Nein, nicht gut. Überhaupt nicht. Nie wieder möchte ich hier essen.