Kamps Backstube

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Kamps Backstube, Bäcker, Prenzlauer Berg

Die sogenannten „Aufbäcker“ an jeder Straßenecke, die nur noch die öden Fabrikteiglinge in den Ofen schmeißen und dann die Zeit stoppen, bis sie fertig sind, bevor sie zum Dumpingpreis verscheuert werden können, womit man hofft, die letzten verbliebenen Qualitätsbäcker im Bezirk wegdumpen zu können, haben mittlerweile fast so einen schlechten Ruf wie Kinderschänder, Banker oder die FDP.
Ich kenne keinen mehr, der zugibt, da zu kaufen, allerdings sind das die gleichen Leute, die behaupten, niemals Bild zu lesen oder zu McDonalds zu gehen. Theoretisch gesehen müssten die völlig backhandwerksfremden Aufbäcker alle pleitegehen.
 
Tun sie aber nicht.
 
Trotzdem kann sie keiner leiden.
 
Offiziell.
 
Es geht ja auch niemand in den Puff.
 
Oder wählt FDP.
 
Trotzdem gibt es beides noch.
 
Der Kamps, bisher auch in dem Ruf, eher ein fader Fabrikaufbäcker zu sein, versucht jetzt ähnlich wie McDonalds einen Imagewandel. Statt den alten grell-roten Farben hat man den Backshop in den Schönhauser Allee Arcaden jetzt umgestaltet in Holz rustikal. Dazu gibt es Klinkeroptik, auch rustikal, und ganz hinten einen Ofen, erst recht rustikal, in den man einen Mitarbeiter ständig Brot rein- und rausschieben sieht.
 
Und weil das für manche Bild-Leser wohl noch nicht reicht, steht jetzt überall wo ich hinschaue „Kamps Backstube – handgebacken“.
 
Ist es ein Marketinggag? Ich sehe niemanden Teig kneten, aber das Brot schmeckt jetzt deutlich besser als früher. Hat man mich erfolgreich eingelullt? Schmecke ich lediglich das, was ich sehe? Verarscht man mich mal wieder mit Dingen, die nur aussehen aber nicht sind?
 
Nein, ich fürchte, es ich nicht so. Es schmeckt wirklich besser jetzt. Ich will das ja nicht, aber es ist so.
 
Glaube ich.
 
Und ja, ich hasse mich selbst dafür, jetzt hier den Propagandaknecht eines einzelhandelfressenden Franchisekonzerns zu mimen, aber Kamps hat einen Schritt nach vorne in Richtung Qualität gemacht und mich sehr überrascht. In Sachen Frische ist dieser Kamps hier sowieso unschlagbar – immer gewesen – , aber einfach nur deswegen, weil er aufgrund des irren Kundenandrangs im Eingangsbereich eines Einkaufscenters einen irren Durchlauf der Waren hat. Hier bleibt einfach nichts lange liegen und deswegen ist auch alles frisch. Immer.
 
Ich will aber kein Propagandaknecht des Großkapitals sein und deswegen freue ich mich zwar über die Qualitätsoffensive, aber stelle fest, dass ich immer noch lieber bei einem der beiden in Familienhand befindlichen Traditionsbäcker im Bezirk kaufe, die immer noch besser als Kamps sind.
 
Das sind der hier und der hier.