SaarowTherme

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SaarowTherme, Bad Saarow

Angesagt ist Wellnesstag in Bad Saarow. Die Fahrt mit der Bummelbahn führt durch ein Dorf namens Erkner.

Erkner – das klingt wie eine hochansteckende und darüber hinaus tödliche Krankheit, irgendwas im Dunstkreis von SARS, Ebola und Wanderhoden.

Kopfkino – Neulich beim Doktor:

„Die Laborwerte sind da. Ich muss Ihnen leider mitteilen: Sie haben Erkner.“

„Oh nein! Wie lang hab ich noch?“

„Eine Woche. Ausstieg links.“

„…?“

In Bad Saarow entzückt zunächst der schnucklig renovierte Bahnhof. Im Sommer ist der sicherlich ein Hinkucker, im Winter von schmelzenden grau-schwarzen Eisbergen umrahmt leider nur partiell.

Die Therme selbst ist vom Architekturstil ganz klar sozialistischer Realismus mit seinen hohen Fensterfronten und seiner nüchtern-rechtwinkligen sowie schnörkellosen Optik, allerdings wurde diese dennoch wohlwollend auf heutigen Standard gebracht, wobei die Vergangenheit das Objekt nicht so ganz vom Haken lässt. Man wähnt schon hie und da mal Onkel Erich hinter dem Pfeiler sitzen und sich einen feixen.

Das gefühlte Durchschnittsalter ist, wie ein von mir sehr geschätzter Mitschreiber hier schon bemerkte, in der Tat bei ca. 120 Jahren anzusiedeln, wobei manche so aussehen als hätten sie weit mehr auf dem Buckel – In Salzwasser eingelegtes Gammelfleisch so weit das Auge reicht.

Aber ich finde das nicht unbedingt schlecht, es gibt einem einerseits ein unschlagbar gutes Körpergefühl und ist andererseits deutlich trommelfellschonender als eine Horde Brüllzwerge, die mich mehr gestört hätten.

Die Verpflegung hat mich schwer positiv überrascht. Ganz frisches Gemüse in meiner Pfanne gleichen Namens und lecker Fisch aus der Umgebung, leicht und locker schmackhaft angebraten. Die beste Frau der Welt hatte ganz ausgezeichnete Hähnchengnoccis in Rahmsoße, die nicht zu beanstanden waren. Preislich war das Essen völlig im Rahmen, ich habe gnadenlos überteuerten Instant-Fraß erwartet – davon nicht die Spur.

Das Ganze wurde im übrigen serviert von einer ausgesucht freundlichen Servicekraft, für die ich sogar extra Trinkgeld aus meinem Spind geholt habe, da man mit den Chips am Handgelenk leider kein Trinkgeld aufbuchen kann. Und überhaupt: Das Personal, egal ob bei den Massagen, bei der Sauna oder am Einlass ist stets aufmerksam, hilfsbereit und freundlich. Sorry mates, ich würde gerne ein Haar in der Suppe finden und in der Regel finde ich auch eines, aber hier war ich rundum zufrieden. Hier hat man offenbar verstanden wie man mit Kunden umgeht. Chapeau!

Fehlt mir eigentlich nur noch die Info, welcher Sadist dem Dorf Erkner seinen Namen gegeben hat. Ich vermute mal stark, das war mal eine ehemalige Strafkolonie vom alten Fritz für leprakranke Zyklopen mit entzündeter Vorhaut, drei Hoden und abstehenden Ohren, der man nur einen möglichst abstoßenden Namen geben wollte.

Was denn auch gelang.