Hooters

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Hooters, Eventgastronomie, Tiergarten

Das Hooters ist der Beweis dafür, dass doch nicht alles Amerikanische in Deutschland funktioniert. McDonalds ja, Alba Berlin Basketball ja, Obama auf jeden Fall, meinetwegen auch das Hard Rock Cafe, aber dieser Laden wirkt mit seinem Konzept mitten im Ortsteil Tiergarten der deutschen Hauptstadt wie ein kapitaler Fremdkörper.

Und genau so scheinen sich auch die jungen Frauen vom Service zu fühlen – blutjung, unsicher, gehemmt, in ihrer drolligen Cheerleader-Tracht von sich selber keine Spur überzeugt führen sie ihr Schullandheim-Ententänzchen auf und hoffen, dass möglichst wenige Gäste hinsehen. Es ist ihnen unendlich peinlich und man merkt es deutlich.
Nein, sie sind ja wirklich bemüht, die jungen Frauen, sehr fleißig, hübsch auch, gerade deshalb tut es einem fast leid, dass sie ihr Talent hier verschleudern und nicht an einem Ort, der ihnen wenigstens ein Minimum an Respekt entgegenbringt. Ich wage mir nicht vorzustellen, wie viele Besoffene ihnen täglich an die Wäsche bzw. an die Hupen gehen, wie viele Sprüche sie sich täglich hinsichtlich ihrer beiden bemerkenswert markanten Körpermerkmale anhören dürfen.

Hooters eben, sagt man, heisst ja auch Hupen.

Ist bekannt, ja. Möök. Möök.

Die Personalfluktuation sei hoch, sagt man auch.

Ich glaube das.

Mitleid ist zwar etwas, das sich grundsätzlich eher negativ auf Attraktivität im engeren erotischen Sinne auswirkt, aber das betrifft natürlich nicht den durchschnittlichen Berliner Bierproleten mit seinen weggesoffenen Sozialantennen. Der merkt überhaupt nichts mehr und da er sich nicht in eine richtige Tabledance-Bar traut bzw. gar nicht erst reingelassen wird, sitzt er hier und bevölkert in mehreren, zumeist unangenehmen Varianten den in der Tat schönen grünen Biergarten – eine gesellschaftliche Monokultur teils aufgelockert durch picklige Nerds, die endlich mal in Anwesenheit echter und nicht am Bildschirm abgebildeter Hupen ihr Fastfood verdrücken. Die innere schwitzig-zittrige Aufregung ist fast greifbar, wenn sich zwei Hupen über den Nerd beugen um den Burger zu servieren, geradezu unfassbar klischeehaftes Kichern und Glucksen hervorrufend.

Ach ja, und die unvermeidlichen Touristen gibt es natürlich auch, aber die fallen hier ausnahmsweise gar nicht mal negativ auf.

Nun aber, und jetzt komme ich zum Wesentlichen, zum Essen: Es gibt solides Fastfood. Nicht berühmt, aber grundsolide. Die Pommes sehen etwas gewöhnungsbedüftig aus, sie kringeln sich ganz drollig spiralenartig, sind aber geschmacklich völlig okay. Ebenso der Burger, dessen Paddy und Bun separiert vom Rest daherkommen, so dass man ihn sich nach eigenem Gusto belegen kann. Völlig in Ordnung, kann man nicht meckern. Astreiner Burger.

Im Fazit würde ich das Hooters mit seinem Konzept nicht zwingend erotisch nennen wollen, es sei denn man verfügt über einen ausgewachsenen Schulmädchen-Fetisch. Im puritanisch-prüden Amerika mag so etwas mit Sicherheit frech und gewagt sein, in der durchsexualisierten deutschen Hauptstadt wirkt es eher befremdlich, fast schon folkloristisch belustigend.

Und Fastfood bekommt man anderswo mindestens genauso gut.

Nein, das Hooters würde ich am ehesten dazu geeignet sehen, die bucklige Verwandschaft vom Lande (Erboma, Schwiegermutter, Bauer Erwin, Mofa-Rokko) ganz sanft zu schocken, ihr so die gewünschte weltmännische Eigenwahrnehmung zu verschaffen und dabei selber einen auf lässig-hauptstädtisch-cool zu machen. Als pubertierender Mitschüler einer der Mädels hätte ich es darüber hinaus vielleicht auch mal ganz lustig gefunden, die sonst so ultracoole Klassenschönheit lustig herumhüpfen zu sehen. Aber darüber hinaus…?

Wer derlei billiges Überlegenheitsgefühl nicht unbedingt braucht und seinen überbordenden Testosteronhaushalt auch nicht an diesen unschuldigen jungen Dingern regulieren muss, ist hier in der Regel fehl am Platz.