Wok to go – McThai

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Wok to go – McThai, asiatisch, Kreuzberg

Die örtliche Glutamatniederlassung in der Schlesischen Straße nennt sich McThai. Notdürftig zusammengezimmert herrscht der Eindruck eines Provisoriums, die Markise wurde offenbar samt ihren Löchern vom Vorbesitzer übernommen und wirkt mit ihrer 70er-Optik und ihren vergilbten bunt angemalten Glühbirnen ein wenig aus der Zeit gefallen, genau wie die Biertische, die vor dem Niederlassen erst von den Nudelresten der Mahlzeiten anderer befreit werden müssen. Eng ist es hier, um die Mittagszeit stapeln sich die Hungrigen innen vor einer etwas zwielichtigen schon leicht angelaufenen Glastheke, die ebenfalls ihre besten Zeiten hinter sich hat und hinter der eine (!) Person versucht, das ultimative Chaos zu beherrschen.

Ich befürchtete schon während die Worte meiner Bestellung die Lippen passierten, dass der Emsige hinter der Theke mich niemals richtig verstanden haben konnte, denn er spricht brüchiges Deutsch, es zischt und dampft überall, die Hungrigen labern Knöpfe an alle anwesenden Ohren und ich nuschele chronisch. Ich erwartete also das Schlimmste in Form der ziemlich widerlich aussehenden fettbraunen Chinanudeln aus der Auslage, die hier als ThaiBox unter das anspruchslose Volk geworfen werden, jedoch gefehlt: Korrekte Kommunikation wider Erwarten.

Die Sauer-Scharf-Suppe sieht aus wie instant, schmeckt wie instant und wird in der Gußeisenpfanne stark erhitzt, so dass sie vor dem Verzehr eine kurze Zeit stehengelassen werden sollte, um Brandblasen auf den Lippen zu vermeiden. Dominant ist der erhebliche Salzanteil in der Suppe, was großen Durst nach sich zieht, sonst aber keinen Nachhall vorweisen kann. So bleibt nur Erüchterung: Banal, keinesfalls authentisch und im Prinzip überflüssig wie eine Bibel im Puff – kostet aber dafür nur für 1,50.

Für die Hauptspeisen werden Gemüsebrocken in allen Variation sowie vorgebratenes Fleisch mit einer vorbereiteten Soße (grünes Curry, rotes Curry, Kokosmilch rockz…) in die Pfanne geworfen und erhitzt. Das gelingt ganz gut, der Geschmack ist in Ordnung, jedoch keinesfalls authentisch, scharf oder irgendwie raffiniert. Einen gewissen Akzent kann man lediglich mit den auf der Theke drapierten üblichen Großhandelsflaschen Soja- oder Thaichilisoße setzen, muss man aber nicht.

Abgesehen werden sollte von jenen Hauptgerichten, die ohne Soße, dafür mit Fett, Zucker und Glutamat daherkommen. Diese schmecken nach nichts anderem als jenem und sättigen für maximal 10 Minuten wonach dann mit noch mehr Hunger als vor der Mahlzeit gerechnet werden muss. Bizarr.

Respekt nötigt der Pfannenjongleur hinter der Theke ab, der diesen ganzen Trubel alleine managt und dem offenbar keine größeren Schnitzer unterlaufen bis auf dass er gezwungen ist, Kassierer und Koch in einer Person zu mimen, was leider mit sich bringt, dass er mit den gleichen Händen, mit denen er gerade das Münzgeld in die Kasse geworfen hat, den Reis auf meinem Teller zurecht titscht. Unschön, aber ich lebe noch.

Sollte McThai irgendwann der Letzte sein, der um das Schlesische Tor herum warme Mahlzeiten feilbietet, würde ich jederzeit wieder dort essen wollen. Sonst eher ungern.