McDonalds Hauptbahnhof

img_20190112_1018435920942477237525644.jpg

McDonalds Hauptbahnhof, Moabit

Der Ableger der Restauration zu den zwei goldenen Bögen im neuen Berliner Hauptbahnhof fällt zunächst durch seine eigenwilligen Restriktionen auf. So ist es nicht möglich vor 10.30 Uhr ein Produkt aus dem Standardrepertoire zu erhalten, so dass auf die zwielichtigen Frühstücksprodukte ausgewichen werden muss. Das ist schade, denn so muss für das Stillen des Alkoholhungers morgens um 7.00 Uhr doch wieder auf den nächsten Dönerstand ausgewichen werden, der mäßig motiviert die letzten verbrannten Fleischreste in das harte Fladenbrot klatscht, denn nur er scheint noch in der Lage, den Heißhunger auf möglichst fettige und minderwertige Nahrung um diese Uhrzeit zu stillen.

Frühstück also. Bei Micky D. Super. Begeisterung sieht anders aus.

Das McCroissant besticht mit einem fettigen, gerne außen kross-keksartigen jedoch innen selten ganz durchgebackenen Teig, schweinchenrosa leuchtendem Formschinken ohne jeglichen Makel, dem schon von weitem anzusehen ist, dass er die Geschmacksneutralität zum Prinzip erkoren hat, und dem schon vom Burger bekannten fragwürdigen Schmelzkäse ohne besondere Eigenschaften.

Das Produkt übernimmt daher durchweg den fettig-käsigen Geschmack aus seinen Zutaten und sättigt erwartungsgemäß nicht ansatzweise.

Der Egg McMuffin ist eine Herausforderung, denn nicht einmal hier in diesem Hause ist es gelungen, dem Eiweiß und seinem orangenen Farbtupfer auch nur annähernd Geschmack beizufügen. Pfeffer, Salz oder Worcestersoße, die jedem Spiegelei ein wenig Geschmack verleihen können, ist nicht festzustellen. Das umhüllende Brötchen entspricht einem banalen Frühstückstoastie und setzt die Belanglosigkeit damit konsequent fort. Einzig der angebotene Bacon ist in der Lage, einen kleinen Akzent zu setzen und bringt eine nicht zu verhehlende salzige Note ins Spiel.

Damit ist der Egg McMuffin zweifellos der heiße Kandidat für eine Mahlzeit, wenn es nach der Explosion eines Atomkraftwerks außer verstrahlten Pflanzen nichts anderes mehr zu essen gibt.

Der angebotene Kaffee schafft es leider nicht, jeden beliebigen Filterkaffee oder einen Kaffee aus einer schnöden Senseo-Maschine hinter sich zu lassen, es herrscht ein merkwürdiges kraft- und saftloses Instant-Gefühl ohne dass sich eine auch nur annähernd anregende Wirkung festzustellen lässt. Merkwürdig eben.

Später am Tage ab 10.30 Uhr ist es jedoch zum Beispiel möglich, einen Filet-o-fish zu verzehren. Dieses Machwerk kann jedoch nur als Kriegserklärung an jeden Fischliebhaber und als Respektlosigkeit gegenüber dem Tier aufgefasst werden. Eingewickelt in ein Brötchen, das selbst Ham- und Cheeseburger in all ihrer schwammartigen Pappigkeit überbietet und vorsätzlich ersoffen mit diesem völlig untauglichen Versuch einer Remoulade schafft man es, sogar Kabeljau in all seiner geschmacklichen Banalität zu überbieten und frittiert das bemitleidenswerte in Quadratform gepresste Fischfleisch in seiner nichtssagenden Panade qualvoll zu Tode.

Um das Ergebnis nicht nur geschmacklich sondern auch optisch möglichst jämmerlich zu gestalten, gibt man dem Werk gerne noch das zerknautschte mit Daumenabdrücken, Rissen und Dellen drapierte Aussehen der bemitleidenswert hässlichen Ham- und Cheeseburger – mit dem Unterschied, dass sich die Remoulade gerne vollständig in der Folie verschmiert und dadurch auch das Äußere des Brötchens nachhaltig in Mitleidenschaft zieht.

Grauenhaft.

Eine besondere Leistung ist es zudem, die Pressfleischstückchen, ChickenMcNuggets genannt, entweder brennend heiß und gleichzeitig endstadiumsfrittiert kross oder kühl-pappig-abgehangen zu servieren. Immerhin erhalten diese Nuggets, deren einziger Geschmacksträger im Übrigen die Panade darstellt, durch die Beigabe der überraschend guten Soßen einen annähernd verzehrwürdigen Zustand, was dann im Ergebnis den Höhepunkt des Besuches ausmacht.

Nun, es ist zwar deutlich die Motivation zu erkennen, warum neuerdings an diesem Ort lieber ein Augenmerk auf Kaffeehaus- und Frühstückskultur anstatt auf verfettete Burgervernichter, die ihren Stoff schon frühmorgens brauchen, gerichtet wird – immerhin geht es um einen momentan laufenden langfristigen Imagewandel der gesamten Kette -, jedoch ist fraglich, ob dieser Wandel gelingt oder man nicht doch Stammkunden vergrault und die Softfrühstücker, die man gewinnen will, nicht doch lieber bei den vielen vertretenen Bäckereien sitzenbleiben, deren Waren wenigstens so tun, als wären sie mit Liebe gebacken.