Lon Men

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Lon Men, chinesisch, Wilmersdorf

Das 1969 eröffnete Lon Men bezeichnet sich auf seinen Servietten als ältestes chinesisches Lokal in Berlin. In der Zeit hat man offenbar die Kochkünste so perfektioniert, dass man heute ein perfektes Peking-Enten-Menü servieren kann.

Stark, ganz weit vorne, sehr gut, spitze, besser wird schwer. Das Menu um die Peking-Ente herum ist für sich gesehen sehr gelungen und uneingeschränkt zu empfehlen, hat aber auch seinen Preis, zumindest wenn man ohne Rabatte unterwegs ist.

Leider ist es so ziemlich das einzig Reizvolle auf der Karte.

Von den eher günstigen Speisen in der Eierreis-Kategorie, die es an jedem U-Bahnhof gibt, würde ich eher absehen, auch von anderen sehr eingedeutschten Gerichten zum schmalen Preis, das hat doch zu sehr Imbißbudenfeeling und möchte nicht so ganz zur vor sich hergetragenen Tradition passen.

Nein, schwer verdaulich ist nicht das Essen, sondern eher der Service, der merkwürdig verkrampft und unlocker daherkommt und die Gäste bei jedem Erscheinen zu irgendeiner Tätigkeit auffordert. Nehmen Sie mal dies weg, rutschen Sie mal hier zur Seite, stellen Sie das nicht auf den Drehtisch, das bitte nicht dorthin, jenes bitte da zur Seite, setzen Sie sich jetzt hin, ich will was erklären. Ich kenne das anders und ich mag das auch anders, ich möchte ungern in dieser Weise forsch herumdirigiert werden, es sei denn ich werde auf Arbeit dafür bezahlt.

Die Get 2-Card, mit der man in diesem Lokal eine nicht unerhebliche Ermäßigung von 50% auf die Peking-Ente erhält, wird mit Stirnrunzeln und für meinen Geschmack zu offensichtlich unwillig zur Kenntnis genommen. Das Lon Men hat sich nicht nur der Get 2-Card, sondern auch diversen Coupon-, Deals- und Gutscheinfirmen an den Hals geworfen, was immer ein Zeichen dafür ist, dass der Laden nicht zufriedenstellend läuft. Würde er laufen, müsste man seine Werke nicht an Billigheimer und Rabattjäger verramschen.

Doch dafür kann der Kunde nichts, auch dann nicht, wenn er das wirklich sehr günstige Angebot annimmt. Das so entstehende unterschwellig bedrückende Gesamtgefühl, nicht so ganz willkommen zu sein, findet seinen traurigen Höhepunkt dann, wenn man mit Karte bezahlt und das Trinkgeld erst später nach dem Bezahlen auf den Tisch legt, wo es der Service erst entdecken wird, wenn der Gast schon gegangen ist und sich dann darüber freuen soll.

Was als Understatement gedacht ist und bisher nie Probleme bereitete, kennt man hier offenbar nicht, denn frostige Verabschiedung ist gar kein Ausdruck, weil hier offenbar jemand befürchtete, gar kein Trinkgeld zu bekommen. Ich habe beim Rausgehen noch einen Besen befürchtet, mit dem man hinter mir her fegt und wäre fast noch einmal zurückgegangen und hätte meinen Schein vom Tisch geklaubt.

So nicht. Ehrlich, so wird das nichts. Nicht bei mir. Ich empfehle dringend, geschmacklich auch außerhalb der Peking-Ente weniger deutsch und mehr authentisch zu werden und beim Service und der Freundlichkeit massiv nachzubessern, denn es sind schon andere Traditionslokale aus nichtigeren Gründen eingegangen.