Viet Fun

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Viet Fun, vietnamesisch, Prenzlauer Berg

Viet Fun ist der Bad Boy der fünf Milliarden Vietnambuden der Hauptstadt.

Ich wollte vor einiger Zeit gerade dort essen, da landete das Lokal auf der berühmten und wie ich fand sehr hilfreichen Ekelliste des Bezirksamts Pankow. Die Ekelliste gibt es mittlerweile nicht mehr, weil sie sich als zu nützlich für den Konsumenten herausgestellt hat und so hat man sie umgewandelt in ein unübersichtliches Punktesystem, das zumindest ich als Mathematikversager nicht durchschaue.

Ich mochte den Pranger. Mit seinen Bildern verkeimter Spülen und verrotteter Kühlschränke und der Thunfischpaste bei 22 Grad im Freien gelagert. Mjam Mjam.
Der Pranger war hart, aber gerechtfertigt, weil es hier um Gesundheit geht und zu viele Verbrecher damit spielen, weil sie es können.

Das Viet Fun ist jedenfalls nicht mehr drauf auf der Ekelliste, weil es die Ekelliste nicht mehr gibt. Sie sind auch bisher gar nicht auf der neuen undurchschaubaren Chaosliste drauf, was nicht wirklich etwas über die Hygiene und schon gar nichts über die Qualität der Speisen aussagt.

Und die sind nicht gut.

Überhaupt nicht.

Und ja, ich habe einiges probiert.

Leider.

Hühnersuppe süß-sauer: Schmeckt sauer, nicht süß, hat große dicke Paprikaschnitze und zu große aber dafür bizarr dünne und unverhältnismäßig trockene Papphühnchenstücke drin rumschwimmen. Eimerware, ganz klar, wahrscheinlich selber pfiffig zusammengemischt aus verschiedenen Eimern, Paprikaeimer, Hühncheneimer, Brüheeimer, aber eben Eimerware. Und verschiedene Eimer zusammengemischt ergeben nicht etwa etwas Gutes, sondern nur einen weiteren Eimer. Einen Hühnersuppe-Süß-Sauer-Eimer.
Unten haben sich zu allem Überfluss noch knallharte Stückchen von Irgendwas abgesetzt. Soll das Ingwer sein? Oder Bambusraspel? Baumrinde? Zehennägel? Egal, nicht zu kauen, das Zeug. Kratzt im Hals wie Stacheldraht… ganz schlimm. Lieber nicht drüber nachdenken.

Wan-Tan: Totfrittiert, dunkelbraun, knallhart, kaum zu knacken, Knusper Knusper Knäuschen, dafür knallheiß. Und schmeckt ausschließlich nach gebackenem Fett, da das Fleisch innen nicht wahrnehmbar ist. Einheitslook. Eines wie das andere. Fließband. Großhandelspackung. Und das dazu auch noch schlecht behandelt. Man sollte mit Lebensmitteln nicht so umgehen.

Sushi: Ist tatsächlich noch schlechter als das alte Sushi aus dem Regal von Nordsee oder von der Grabbelkiste von Real oder Kaisers. Dachte nicht, dass das geht. Schmeckt für sich gesehen entweder nach nichts oder zu penetrant fischig. Verdächtig fischig. Und fischig darf nicht sein bei Sushi. Der Wasabi ist vom billigsten aller Wasabis, nur dumpf-aggressiv-scharf, die Sojasoße eine fiese billige Salzlake und der Ingwer ist … na? … Eimer eben wieder. Sauer und glitschig.

Hauptgericht auf Reisbasis: Trocken, trocken, trocken, dazwischen nicht fertig gegartes Gemüse in Form von dicken langen Stängeln Broccoli, fast noch roh und zu hart, um gut zu sein. Würze nahezu null, wenn man von etwas Curry absieht, der nichts, aber auch gar nichts rausreißt. Giftgrüne trockene Erbsen, innen hohl, Konsistenz wie Plastikmurmeln. Trockenes Hähnchen auch hier wieder. Klebt in Grüppchen am Gaumen fest. Großhandelspackung. Eimer. Wieder der Eimer. Immer wieder. Den schmeckt man hier konsequent und durchgehend. Auch beim Satespieß, der als gutgemeintes Geschenk obenauf lag. Danke für das Gimmick, der war tatsächlich nicht so übel wie alles andere, er war nur halbtrocken. Lichtblick kann man ihn trotzdem nicht nennen.

Sorry, hier steh ich und kann nicht anders: Fürchterlich. Haarsträubend. Zum Abgewöhnen. Niemand, der bei Sinnen ist, isst so etwas auf. Daher auch hier wieder meine Anregung: Hört bitte auf zu kochen. Geht Tulpen verkaufen, gründet eine Mopszucht, macht eine Sambaschule auf oder heuert auf einer Bohrinsel an. Es ist besser für alle.