Dick & Doof

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Dick & Doof, Spätkauf, Prenzlauer Berg

Das Cafe „Dick und Doof“ mit seinem angeschlossenen Späti (für Nichtberliner: Spätkauf) hatte im Kiez in den dunklen Zeiten des restriktiven Ladenschlussgesetzes jahrelang das Monopol auf die nächtliche Lebensrettung meiner Person, wenn es zu nachtschlafender Zeit galt, den Heißhunger auf eine Tiefkühlpizza zu stillen, Kippen zu holen, nie nach Hause gehenden Buffetfräsen von Gästen doch noch einen Sechserträger Becks oder eine Flasche billigen Portugieser Weißherbst zu kredenzen oder auch nur weil ausgerechnet um Mitternacht schon wieder das Klopapier ausgegangen ist und Packpapier für ein zartes Ärschchen keine Option ist.

Mit einem kleinen Preisaufschlag ließen sich bis weit nach Mitternacht von der stets glänzend aufgelegten Dame hinter dem Tresen Waren des täglichen Bedarfs sowie diverse Alkoholika erwerben – ein Geschäftsmodell, das vor 10 Jahren am Rande der Legalität brummte ohne Ende, wenngleich ich nebenan in dem offenbar aus rein rechtlichen Gründen angeschlossenen Cafe nur selten jemand sitzen bzw. trinken sah. Logo, der Späti hat´s getragen, denn zur Tanke ist der Weg ganz schön weit und wird umso weiter desto später. Abgesehen davon waren die Puffpreise der Tanke immer schon jenseits von dem, was man als anständig und angemessen bezeichnet würde.

Nun war der Einkauf hier beim „Dick und Doof“ seinerzeit nachts um halb drei immer auch mit dem Kribbeln des Verbotenen behaftet, die Einkäufe wurden fast mit der gleichen Sorgfalt nach Hause getragen wie ein unter der Bösebrücke vom Schwarzhandel gekaufter lebender Leguan aus Papua-Neuguinea, in jedem vorbeifahrenden Auto fürchtete man den potenziellen Feind in Form eines Kirchen- oder Gewerkschaftsvertreters, der einem unvermittelt die zulasten Gottes oder der ausgebeuteten Arbeitnehmer illegal erworbenen Konsumartikel konfiszieren könnte. Man sah sich nach jedem Mal „Dick und Doof“ schon mit einem Bein im Knast und mit Päderasten und GEZ-Prellern an einen gemeinsamen Pranger gestellt.

Nun, diese dunklen erzkatholischen Zeiten sind vorbei.

Konsum 1 – Arbeitnehmer/Gott 0.

Allerdings, gerade angesichts der vor allem in Berlin immer weiter fortschreitenden Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten, muss ich mir aus anderen Gründen Sorgen um das Überleben des „Dick und Doof“ machen, das angesichts der aus allen Löchern kriechenden Konkurrenz nun sehen muss, wo es bleibt. Zu viele Alternativen gibt es mittlerweile, vom Kaisers in der Schönhauser bis zum Kaufland im Wedding, die beide bis 24.00 Uhr ihre Konsumpforten geöffnet haben.

Wobei, ein wenig Monopol ist noch übrig. Nach Mitternacht hat das „Dick und Doof“ noch sein fast ungeteiltes Alleinstellungsmerkmal inne, jedoch bleibt fraglich, ob nicht auch andere, bisher rein auf Alkoholika spezialisierte Spätis ihr Sortiment auf Toilettenartikel und andere Dinge des täglichen Bedarfs ausdehnen. Dann wird´s eng.

Aus liebgewonnener Tradition und weil ich so ein sentimentaler Hund bin drücke ich dem „Dick und Doof“ die Daumen und wünsche jegliches Glück welches ich herbeizurufen in der Lage bin, aber wenn ich sagen würde, dass ich den Laden noch brauche, wäre das eiskalt gelogen.