Allegro

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Allegro, Pizza, Prenzlauer Berg

Einer dieser gruseligen Horrorimbisse an der östlichen Berliner Ringbahn hat offenbar gekalbt – und zwar direkt in den Eingangsbereich der Schönhauser Allee Arcaden.

Hier bietet dieser Klon vorgebackene Pizzen an, die er nur noch warm macht. Allerdings kann er nicht einmal das richtig. In der Auslage sehen die Pizzen zugegebenermaßen (rein optisch) sehr lecker aus, aber das täuscht und ändert sich schnell: Die Pizza mutiert während der erneuten Behandlung im Ofen unvermittelt von Megan Fox zu Angela Merkel.

So nimmt der Pizzaboden die Konsistenz eines staubtrockenen Knäckebrots an, zudem dekorativ ein einigen Stellen kohlegleich verbrannt und bar jeglichen Geschmacks. Der Rucola wird zusammen mit dem Parma gleich mitgegart und schrumpelt zu einer bemitleidenswerten Karikatur seiner selbst zusammen. Der Anblick des getoasteten ausgetrockneten Parmas und des unkrautgleichen Rucolas lassen dem geneigten Pizzaliebhaber Tränen in die Augen schießen. Der Käse – ich möchte einfach ganz fest dran glauben, dass es kein Analogkäse ist – schmeckt nach nichts und ist nur fett.

Es ist einfach erschreckend wie man hier mit Essen umgeht.

Beim Warteschlangenmanagement hat man sich die unsägliche Postfiliale im selben Hause zum Vorbild genommen und macht den Tresen zu einem Eldorado für Drängler, Schieber und Vorbeimogler. In diesem Chaos verliert der Pizzawarmmacher (es schüttelt mich, ihn Pizzabäcker zu nennen) schnell den Überblick und weiß nicht mehr, wen er nun abkassiert hat oder wer jetzt nochmal welche Pizza bekommt.

Die Darbietung ist so unterirdisch, dass sie noch nicht einmal den Charme des bemüht Stümperhaften oder unfreiwillig Komischen hat, sondern nur ärgerlich ist.

Dieses komplett wertlose Gesamtkunstwerk erhält man zu einem Spitzenpreis, der in keinster Weise durch Gegenleistung gedeckt ist. Ich mag es nicht beschönigen: Dieser Pizzaimbiß ist ein Trauerspiel ohne Happy End.

Den durch nichts gerechtfertigten großen Andrang kann ich mir nur mit der prominenten Lage des Ladens am Eingang der Schönhauser Allee Arcaden erklären und damit, dass man offenbar auf einen nie versiegenden Zustrom an Neukunden bauen kann, die von der Optik geblendet hier nur spontan mal probieren wollen und dort dann wahrscheinlich nie wieder essen.

Kompetente Mathematiker können sicherlich ausrechnen, wann das Allegro seinen Zenit überschritten hat und die Anzahl der Neukunden rasant zu schrumpfen beginnt. Unmittelbar in der Folge dürfte es sang- und klanglos eingehen.

Und das dann völlig zurecht.