Milchbart

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Milchbart, Kindercafé, Prenzlauer Berg

In der Höhle der Löwinnen – Reloaded
 
Und weiter geht’s. Ich will nun endgültig wissen, was meine Vorurteile taugen. Gestern: Kindercafe in Pankow. Für Anfänger. Heute: Kindercafe in Prenzlauer Berg, seines Zeichens durchgentrifiziertes Elternfreigehege und mein über Jahre sorgsam gehegtes Feindbild als fleischgewordene Hölle verbiestert-ökologisch-korrekter Prenzlmütter und den weichgespülten enteierten Hippiepapas, die mit ihren verzogenen Konstantin-Elija-Cosmo-Amadou-Savoy-Blagen nackt die eigenen bescheuerten Namen um einen Recyclingkarton Sellerie-Weinbergpfirsich-Bionade herum tanzen während sie mit Lavedelzweigen aus eigenem Dachgeschoß-Anbau um sich fächern und selbstgegärten Kombucha saufen. (Gott, hat jemand ein Blitzdings? Ich muss dieses Kopfkino aus meinem kranken Hirn löschen, das ist ja furchtbar…)
 
Also wieder Baby unter den Arm gepackt und rein da. Ich will’s jetzt wissen: Was ist dran an der Hetze in Bild, Taz und Co. gegen allgegenwärtige Biobiederterrormütter in Prenzlauer Berg?
 
Ich mach’s kurz: Wieder nix.
 
Selbst einer der gelangweilten und schon fast manisch klischeewiderkäuenden berliner Provinzkolumnisten dürfte sich hier wohlfühlen. Entspannte Menschen trinken sehr guten Kaffee und essen ganz hervorragenden Flammkuchen, während ihre für ihr geringes Alter relativ entspannten Kinder sich mit allen möglichen Spielzeugen, Büchern, Bällen, Bobby Cars und weiß der Geier was sonst noch alles zur Verfügung steht, beschäftigen.
 
Während der Mittagszeit kann es gerne mal voll werden, aber auch dann verliert die außergewöhnlich entspannte und wohltuend freundliche junge Frau hinter dem Tresen nie den Überblick, jongliert am laufenden Band Flammkuchen, Kaffee und warm gemachten Babybrei, kassiert hier, gibt da Auskunft oder richtet nur Grüße von irgendjemandem an irgendjemanden aus – gefühlt alles gleichzeitig. Respekt.
 
Ja. Ganz weit vorne, das Cafe Milchbart. Ich finde ums Verrecken nichts, was mir hier nicht gefällt. Ich hab ehrlich gesucht.
 
Und ich verabschiede damit wieder eines meiner Vorurteile, so dass jetzt nur noch meine unauslöschbare Abneigung gegen das Bezirksamt Pankow, den Hermes Paketdienst und die Berliner S-Bahn übrig bleiben. Die aber ganz sicher für immer, dafür sorgen die Protagonisten schon.
 
Ach ja, und einen kostenlosen Tipp kann ich mangels Bedarf gerne weitergeben: Ein allein erziehender Single-Vater (sofern es sowas gibt), der weder aussieht und noch sich benimmt wie Stulle, ist hier im Milchbart nicht mehr lange Single, wenn er es darauf anlegt, seinen Aggregatzustand zu ändern. Cheers.