Chung – Asia Street Kitchen

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Chung – Asia Street Kitchen, asiatisch, Kreuzberg

Es ist stets ein deutliches Warnsignal, wenn auf einer Speisekarte eine dreistellige Anzahl an Gerichten angeboten wird, denn das bedeutet in der Regel, dass der Koch nur maximal ein halbes Dutzend Gerichte wirklich beherrscht und die übrigen nur bedingt oder gar nicht, was den Besuch zum Roulettespiel werden lässt.

Gerne macht der Wirt auch den Hans Dampf in allen Gassen und bietet nahezu alle in Deutschland gängigen kulinarischen Nationalitäten in einem Raum an: TexMex-Indisch-Chinesisch-Griechisch-Pizza-Sushi-Currywurstpommes – und kann im Zweifel nichts davon richtig.

Zweifelhaft ist bei sowas auch stets die Frische der Zutaten, die natürlich nicht für alle 279 Gerichte knackig vom Markt vorgehalten werden können, sondern eher aus dem Tiefkühler oder gleich als Instant-Goblin aus dem Glas daherkommen.

279 Gerichte in einer Speisekarte – für Entscheidungskrüppel eine einzige Katastrophe, die sich mit der Speisekarte in der Hand winden und drehen wie ein Kartoffelkäfer, der auf dem Rücken liegt, mit den dürren Beinen zappelt und nicht weiterkommt. Ich weiß nicht warum manche sowas machen? Ist es der Wahlspruch „Viel hilft viel“, der den Pöbel auch in keimige XXL-Restaurants zieht um sich einen Monsterlappen wertlosen Schnitzelabfalls reinzuziehen? Ich weiß es nicht, aber ich ziehe stets den Hut vor denen, die sich auf eine niedrige einstellige Anzahl an Gerichten spezialisieren und diese bis zur Perfektion beherrschen.

Das Chung beschränkt sich auf günstige asiatische Küche – chinesisch, vietnamesisch und thailändisch, hat aber ebenfalls derart ausladend viele Gerichte im Angebot, die es jedem, der nicht täglich essen gehen kann, unmöglich machen, die komplette Karte vor dem eigenen Ableben durchzuessen. Wie schon ausgeführt ist das eigentlich ein schlechtes Zeichen, solch ein Riesen-Angebot – hier beim Chung bin ich sehr froh dass mich das nicht abgeschreckt hat: Für schmales Geld wird leichtes Kurzgebratenes, -geschmortes oder – frittiertes angeboten und das durchaus gut in allen Disziplinen. Den widerlichen Glutamatbutzen der U-Bahnhöfe dieser Welt möchte man spontan zurufen: „Geht kacken!“

Der Service ist sehr verbindlich, sehr freundlich, schnell und ausnahmslos sympathisch – in Berlin eine Seltenheit und bezeichnenderweise vorwiegend bei asiatischen Gastgebern vorzufinden, deren Landsleute auch mittlerweile das bessere Abitur machen. Zeichen der Zeit.

Es ist eine Freude hier zu essen – auch für auf dem Rücken hilflos vor sich hinzappelnde Kartoffelkäfer mit der Speisekarte in der Hand, die sich nicht entscheiden können. Im Zweifel eben das Tagesgericht von der Kreidetafel – man kann nichts falsch machen.