Asado am ICC

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Asado, Steakhaus, Charlottenburg-Wilmersdorf

Mitleid ist eigentlich das Schlimmste, was man für ein Lokal empfinden kann.

Was die bisherigen Bewertungen angeht hat das Asado zwischen ZOB und ICC hier ja schon ordentlich Dresche bezogen. Es ist eigentlich nicht meine Art, am Boden Liegenden noch einen mitzugeben, aber ich kann mir die 2 Punkte nicht verkneifen.
Und die gibt es, auch wenn das anhand der bisherigen Bewertungen jetzt überraschen mag, ausschließlich für die Spare Ribs. Diese waren in meinem Fall ordentlich fleischig und gar nicht mal übel mariniert. Vielleicht habe ich einen lichten Tag erwischt, aber die waren wirklich gut.

Damit allerdings erschöpft sich schon das Positive, es folgen nun die negativen Punkte, die ich allein darum nicht als polemischen Verriß aufarbeiten möchte, um das bereits im Qype-Ring k.o. gegangene Lokal nicht noch zu demütigen, so viel Sportlichkeit muss sein.

Hier die nüchternen Fakten:

  • die Inneneinrichtung entspricht dem 70er-Jahre-Plastik-kombiniert-mit-Eiche-Dekor, den man aus ganz schlechten Pizzerien kennt
  • das Lokal wirkt von außen genauso einladend wie sein Umfeld – diese ganze unheimliche 60er-Jahre-Szenerie um den ZOB, die in Erstarrung seit der Kuba-Krise verharrt
  • die Servicekräfte sind aufdringlich, wer das 7,90-Spare-Ribs-All-you-can-eat-Lockangebot wählt, für das auf dem grellen Transparent außen geworben wird, wird für meinen Geschmack etwas zu deutlich zu teuren Upgrades (Vorspeisen, zusätzliche Getränke, Nachspeisen) aufgefordert
  • der Nachschub an Spare-Ribs kommt nur auf Aufforderung durch Winken bzw. Gestikulieren und dann auch nur zögerlich
  • der Wein ist deutlich zu teuer für die Qualität.

Ich räume ein, dass in dieser Gegend, deren Waschbetonschluchten noch der miefig-schneidende Wind des kalten Krieges umweht, wahrscheinlich nicht mehr machbar ist als so etwas, aber der Hauch gepaart mit dem Übermut der Verzweiflung ist mir hier einfach zu markant und dieser latente durchgehende Fluchtreflex während des Aufenthalts zu anstrengend.

Verdammt, jetzt habe ich doch noch einmal polemisch draufgetreten. Egal, das Asado merkt’s eh nicht mehr.