Rossmann

img_20190112_1018435920942477237525644.jpg

Rossmann, Drogeriemarkt, Prenzlauer Berg

Rossmann! Irgendwas machst du falsch, denn du machst nicht das, was alle anderen Einzelhandelsketten meinen tun zu müssen.

Warum? Ja meine Güte du fragst mich nix. Gibt’s doch gar nicht. Nix fragst du.

Ich meine Nix! Überhaupt nix. Nada. Njente. Nothing. Zéro. Nihix! Totenstille an der Ladenkasse, wo gibt´s denn sowas noch?

Payback Karte? Fehlanzeige.

Happy Digits? Nix da. Interessiert keine Sau.

Treuepunkte? Aber nein.

Treueherzen? Niemals nicht.

Dich interessiert nicht, ob ich zufrieden bin, du scherst dich einen Dreck um meine Postleitzahl und ob ich alles bekommen habe juckt dich erst recht nicht.

Und auch dieses vorgeschobene Schauen nach der Wagennummer, um nur unzureichend subtil zu überprüfen ob der Kunde ein Dieb ist, schenkst du dir ganz geschmeidig.

Wie ich das finde? Na geilo! Ich zahle und gehe – Gott wie entspannend, ein ganz ungewohntes Einkaufsgefühl in Zeiten, in denen mich jedes dahergelaufene Harry-Potter-Gesicht an der Kasse ausfragt und mich erst nach mehreren Antworten wieder gehen lassen will, mein Innerstes über mein Wohlbefinden nach außen kehren oder meine Wohngegend ermitteln will oder einem ein tägliches unerträgliches Murmeltier-Gefühl verschafft, wenn man so bescheuert ist, im gleichen Supermarkt jeden Mittag sein Essen zu holen, dort jeden Mittag die immergleiche Frage beantworten muss, bis es einem zum Hals raushängt und man sich gerne ein T-Shirt kaufen, ein Schild hochhalten oder sich quer über die Stirn tätowieren lassen möchte: „NEEEEEEEEEEEEIN! Ich habe keine verfaulte Payback-Karte du verdammter Mobber!“

Manchmal denke ich, diese ganzen Amokläufer, Terroristen, Tierquäler, Bundeswehrausbilder und brandenburger Nazis sind vielleicht nur wegen dieser Dauerfragerei bei jedem Einkauf zu dem mitleiderregenden Etwas geworden sind, das sie sind, weil sie charakterlich nicht stark genug sind, dem Dauerfeuer standzuhalten und sich ein Ersatzventil suchen. Gewagt gewagt, die Theorie, isch weiß, aber nicht ohne einen gewissen Reiz.

Rossmann! Machst du alles nicht, gut so. Allerdings einer Unart fröhnst auch du: Du nötigst einem auch diesen sinnlosen Kassenzettel auf, in dem du zwar nicht fragst ob man ihn haben möchte (immerhin), aber ihn perfide zwischen die Rückgeldmünzen oder – scheine klemmst und man jedes Mal ein schlechtes Gefühl hat, wenn man ihn da umständlich wieder herauspult und dahin zurücklegt wo er herkommt, wo deine Mitarbeiter ihn dann eigenhändig wegschmeissen müssen, was sie auch hätten vorher machen können, weil:

Wofür zum Henker ist der eigentlich gut, der Kassenzettel? Hoho, na klar, ich weiß, nächstes Jahr werde ich reihenweise Belege für Parfum, Feuchttücher, Intimspray und Kondome der Steuererklärung beifügen und das ganze verdammte Zettelkonglomerat als Betriebskosten für meinen inexistenten Weddinger Puff geltend machen. Die arme Sau von Finanzbeamter, die meine Monstersteuererklärung prüfen muss, darf dann 1346 vergilbte Rossmann-Zettel mit Kosten von je zwischen 0,79 € und 3,53 € auseinanderpopeln und addieren bis er dann zu dem Ergebnis kommt, dass kein einziger davon abzugsfähig ist. Stark – ABM für den Fiskus und klammheimliche Freude für mich, aber auch wieder irgendwie spätpubertär.

Im Ernst: Was soll das? Schmeißt doch diese blöden Zettel einfach weg, es sein denn irgendein Eierkopf oder Erbsenzähler will ihn haben und fragt explizit nach diesem Stück nutzlosem Papier.

Aber, Rossmann, ich lobe dich dennoch gerne, bist du doch von allen Drogerien immer noch der Sympathischste (meine Güte sieht das Wort scheiße aus wenn man es schreibt): Alle anderen sind zwar auch ziemlich billig, fragen einem aber mit der Zeit ein zweites Loch in den Arsch oder halten ihre Mitarbeiter in einer scheinselbständigen Knechtschaft, die für ein aufgeklärtes Mitteleuropa unwürdig ist.

Du nicht, zumindest hört man von dir nicht annähernd solche Berichte, die wie 1875 aus der Zeit vor Erfindung des Sozialstaats anmuten. Danke zumindest dafür.

Aber klemm dir die Zettel. Bitte.