Pizza Pimps

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Pizza Pimps, Lieferservice, Prenzlauer Berg

These: Von den gefühlten vierhunderttausend Lieferdiensten in Berlin können die meisten gar nichts und lediglich ein Bruchteil von diesen Freizeit-Pizzabäckern ist in der Lage, ein halbwegs vernünftiges Produkt innerhalb einer vernünftigen Wartezeit anzubieten.

Besonders beliebt ist das Spiel „Schüttel den Belag“, bei dem der Pizzakarton möglichst so gehalten werden muss, dass sich der Belag auf dem Teigfladen linker Hand zu einem kompakten Klumpen zusammenballt, der möglichst mit dem Karton zusammenklebt, während rechter Hand eine blasse Teigwüste ohne Belag dafür mit Fettfilm entsteht. Der Vorteil liegt darin, dass das Opfer, das diese Zumutung essen soll, das optische Inferno erst bemerkt, wenn man mit dem Geld schon wieder weitergezogen ist.

Beliebt ist auch das Spiel „Lass ihn hungern, die Sau“, bei dem der Delinquent mindestens einmal telefonisch aktiv werden muss, um die Lieferzeit bei unter anderthalb Stunden zu halten.

Ausgesprochen amüsant ist auch „Scheiss auf Wechselgeld“, bei dem die Aufgabe darin besteht, das Wechselgeld derart knapp zu dimensionieren, dass nie mehr als drei Euro in Münzen zurückgegeben werden können, was in der Folge ein hektisches Goldgräberfieber in der Kundenwohnung auslöst, bei dem unter Zeitdruck versucht werden muss, verborgene Bargeldschätze in Schubladen, Sofaritzen, Sparschweinen der Kinder oder beim Nachbarn zu heben.

Die asiatische Variante besteht darüber hinaus gerne auch mal in dem Spiel „Verstehe Bahnhof, schreibe aber trotzdem auf“, bei dem möglichst ein völlig anderer Name oder eine andere Anschrift als übermittelt notiert werden muss, um zu erreichen, dass sich Opa Kowalke im Parterre, die Prenzlmutter im benachbarten Dachgeschoß oder der Puff zwei Straßen weiter über eine Lieferung freuen können.

Seufz, halten wir fest: Alles Pfeifen also. „Was haben wir hier im Briefkasten? Ein Werbeflyer der Pizza Pimps. Der Wahnsinn“, denke ich und lasse meine rechte Arschbacke runzeln, „wieder mal ein Pizzaflyer, ungefähr so spannend wie diese vielen kleinen Zettel von Kohlehändlern, Elektrikern oder ukrainischen Autoschiebern im Briefkasten, die ich immer zusammen mit den Glasflaschen und dem Elektronikschrott zur Freude meiner ökologisch-korrekten Bio-Nachbarn in der schwarzen Restmülltonne versenke.“

Die Überraschung folgt immer dann wenn man nichts erwartet. Das Ergebnis kann sich tatsächlich sehen lassen, zumindest wenn man eine gewisse Anfangsernüchterung überwunden hat, denn: Statt der erwarteten attraktiven vollbusigen Pizzafahrerin in Hotpants und knappem Oberteil ohne BH, dafür kurz mit kaltem Wasser abgeduscht, muss mit einem charmanten, zweifellos attraktiven Südländer Vorlieb genommen werden, der energischen Schrittes fünf Stufen auf einmal nehmend fast Purzelbäume schlagend ninjagleich die Treppe hochgejoggt kommt ohne auch nur ein wenig rot zu werden oder zu schwitzen. Ok, gut durchtrainiert, braungebrannt und schön anzuschauen, der Kerl, da können sich ja wenigstens die Damen und die entsprechend geneigten Herren in Prenzlauer Berg über ein optisches Sahnestück in der Pizzalieferszene freuen – immer noch besser als die üblichen pickligen Studenten von Joeys oder der schnaufende alte Hippie mit der Raucherlunge vom Pizza Max.

Um trotz der nicht unerheblichen Entfernung eine Lieferzeit von 25 Minuten zu erreichen muss der hübsche Bengel darüber hinaus jegliche Verkehrsregeln nicht nur ignorieren sondern kaltblütig vorsätzlich brechen, um derart schnell zu sein. Keine Ahnung wie das geht, aber Respekt.

Die Ware ist für einen Lieferdienst schlicht eine Sensation. Ob Burger, Pizza oder diese perversen kleinen flauschigen Pizzabrötchen mit ihren verschiedenen perversen Füllungen: Das Zeug ist gut, sehr gut, für einen Lieferdienst sogar eine Wucht.

Und das ist alles was ich darüber sagen kann.

Bleiben nur noch zwei Fragen:

  1. Wieso habe ich hier nicht schon viel früher bestellt?
  2. Hat der Pizzabote schon Visitenkarten mit seiner Privatnummer für vielen Singles, die er beliefert?