Delikato

img_20190112_1018435920942477237525644.jpg

Delikato, Imbiss, Kreuzberg

Wie soll man über einen durchschnittlichen langweiligen Ort nur einen nicht-durchschnittlichen und vielleicht sogar nicht-langweiligen Beitrag schreiben?

Mit wem soll ich regelmäßige Besucher des Delikato in Kreuzberg vergleichen? Mit Golf-Fahrern? Gartenzwerg-vor-Seerosenteich-Stellern? Briefmarkensammlern? Hobbyraum-Ausbauern und Brocken-Besteigern? Christian-Wulff-Gutfindern? Oder Socken-zu-Sandalen-Trägern?

Die Optik ist konsequent franchise-mässig bis zum Erbrechen, sauber, makellos und so understatementartig grün-braun gehalten wie der Subway, der hier vorher drin war und dem man so lange die Scheiben eingeschmissen hat bis er schließlich aufgab.

Wer es gut meint, der findet das Delikato berechenbar, wer es nicht gut meint, der findet es langweilig. In einem dürften sich beide Fraktionen aber einig sein: Der Name Delikato ist ein Euphemismus, ein ziemlich dreister sogar, Banalo wäre treffender gewesen. Oder Fado. Oder Gewöhnlicho.

Man bietet hier im Wesentlichen Döner, Pizza und Burger an.

Ich sehe den üblichen Hackfleischspieß sich drehen und denke spontan an diese üblichen fettigen und unverantwortlich übersalzenen Stinkedreiecke, die Touristen auf den Pub-Crawl-Pfaden der Hauptstadt nach Mitternacht angedreht werden, der alte Fladen totgetoastet und voll mit prekärem Fleisch, Chemiesoßen und welkem Gemüse.

Hier nicht, der Döner ist überraschenderweise nicht schlecht, nicht zuviel gesalzen, relativ (!) fettarm und damit weit entfernt von den ranzigen Gammelbuden an den prekären Ecken der Hauptstadt. Nicht missverstehen, er ist auch nicht überragend gut, eher das Gegenteil von einem Erlebnis ansich und im Prinzip nur so ein Kann-man-machen-wenn-nichts-anderes-da-ist-Döner, das passende Adjektiv wäre „ganz nett“, so wie die Klassenschönheit den pickligen Streber mit dem Kassengestell, der ihr immer die Hausaufgaben schreibt, „ganz nett“ findet, aber nur was mit ihm anfangen würde wenn sie die letzten beiden Menschen auf Erden wären.

Und so geht’s mir irgendwie auch. Ich würde auch nur dann noch einmal etwas mit diesem Döner anfangen, wenn alle anderen 367 Millionen Dönerbuden in der unmittelbaren Umgebung dichtmachen würden. Also nie. Zumindest nicht in diesem Leben.

Die Pizza ist mit charakterlos noch gut beschrieben. Man frönt nämlich auch hier der sich immer weiter verbreiternden Unart, vorgebackene Pizza im Grill noch einmal aufzuwärmen und dann knallheiss und keksig zu servieren, eventuell auf der Pizza befindlicher Rucola wird dabei erbarmungslos mitgegrillt, was man wenigstens dem Parmaschinken erspart, den es erst gar nicht im Angebot gibt.

Der Teig ist kross sowie dünn in Erscheinung und Geschmack. Das ganze Ensemble ist darüber hinaus sehr käselastig, ohne jedoch zu sättigen, zumindest nicht mit den zwei Stückchen à zwei Euro.

Und zuletzt der Burger. Zugegeben, sich im Dunstkreis von etablierten Burgerbratern wie dem 50 Meter entfernten Burgermeister oder dem 20 Meter entfernten Burgersteig überhaupt zu trauen, einen Burger anzubieten, ist zweifellos mutig und zeugt von mächtig dicken Eiern. Damit erschöpft es sich aber auch schon, denn der Burger ist, obgleich preislich kaum wahrnehmbar unter dem der Profis, eine Zumutung, die den Preis nicht rechtfertigt. Kennt jemand noch die gruseligen Burger von Danys Snack, die man sich heute nicht einmal mehr an Brandenburger Tankstellen traut zu servieren? Oder die Dinger, die bei Lidl in der Kühltheke zwischen der Mettwurst und den Industriebuletten dahinvegetieren? So. Genau so.

Das Hauptproblem des Burgers ist schnell beschrieben: Kalt und fad. Das charakterlose Tiefkühl-Paddie kann sich weder geschmacklich noch wärmetechnisch gegen die schiere Masse an unverhältnismäßig kühlem Eisbergsalat-Tomate-Gurke-Mix durchsetzen und der schwammartige Bun ist nicht einmal lauwarm. Gekrönt wird das Werk von drei verschiedenen Soßen, die zusammengemixt außer fettig nach gar nichts schmecken und gar nicht bereit sind, auch nur irgendeinen Akzent zu setzen.

Zuletzt, und hiermit setzt sich der Burger endgültig die traurige Kreuzberger Loser-Krone auf, fällt er auch dem geübten Burgeresser nach wenigen Bissen auseinander, so dass man den Gemüsematsch vom Teller abkratzen oder mit den Resten des Brötchens auftunken muss, nachdem man sich mit dem vollgesuppten Paddie eingesaut hat, den man versucht hat, mit der Hand aus dem Matsch zu pulen.

Ganz miese Performance. Andere Burger im unmittelbaren Umfeld fallen maximal bei einem doppelten Burger auseinander oder eher gar nicht. Der hier schafft das Kunststück, sich schon als simpler einstöckiger Cheeseburger im Raum zu verteilen.

„Gewollt und nicht gekonnt“ geht mir durch den Kopf wenn ich an der markanten Werbung für diesen zweifellos für diese Gegend untypisch sauberen Imbiss vorbeigehe. Alles, was hier angeboten wird, gibt es in der unmittelbaren Umgebung besser.

Hab ich was vergessen? Ach ja, die Pommes. Was die betrifft wären wir wieder beim Thema Banalo.