Papa No

img_20190112_1018435920942477237525644.jpg

Papa No, Sushi, Prenzlauer Berg

Es ist ein Fluch, dass es keinen wirklich guten Sushi-Lieferanten hier gibt. Diejenigen, die teilweise außergewöhnlich gutes Sushi herstellen, liefern nicht und haben es zugegebenermaßen auch nicht nötig, weil ihnen die Gläubigen die Tür einrennen und diejenigen, die liefern, kann man in der Regel in der Pfeife rauchen.

Und so sitze ich manchmal im Wohnzimmer, bekomme die unvermeidliche überfallartige Sushi-Hungerattacke und natürlich regnet es genau zu der Zeit draußen nicht nur Hunde und Katzen, sondern wahrscheinlich noch Zombies, Scheintote und FDP-Wähler, so dass ich gar nicht rausgehen und mir von Menschen, die gutes Sushi machen können, was holen kann.

Also muss ich ja manchmal quasi gezwungenermaßen bestellen. Oft. Weil immer so viel schlechtes Wetter ist. Oder es liegt vielleicht auch an der Regentapete, die ich zu dem Zweck, nie wieder das Haus verlassen zu müssen, an die Fenster geklebt habe. Oder ich bin einfach zu faul.

Egal.

Die meisten Sushidealer mit Moped habe ich schon durch und bin nicht begeistert. Mal was neues testen. Mal wieder mutig sein. Vielleicht wird’s ja mal was.

Papa No.

Wieso?

Wieso was?

Wieso kucke ich verdammtes Arschloch vor dem Bestellen nicht ins Internet auf diese drollige Bewertungsplattform? Wo das Papa No in Grund und Boden gewertet wurde. Drei Sterne im Schnitt, auf die drei Sterne nur hochgejazzt von Eintagsfliegen. Es reicht nicht mal für so viele Fakebeiträge von Eintagsfliegen, die das Lokal auf vier Sterne pushen können. Wie arm ist das denn?

Also: Wieso schaue ich da nicht rein?

Ehrlich, wäre ich das Sushi, würde ich Amnesty International einschalten. Es wird nämlich eingeknastet, ganz eng zusammengepfercht geliefert, so dass die Stücke zusammenwachsen wie siamesische Zwillinge und man sie mit dem Messer trennen muss. Das ist unmenschlich, ich prangere das an, denn beim Trennen fallen einige einfach auseinander, andere vermantschen sich mutwillig mit wieder anderen.
Die Makis haben schwerste Verletzungen ihrer Algenhaut zu verzeichnen, durch die der Reis rausquillt wie Gedärme aus dem Bauch eines Mordopfers, hier muss man von Folter reden. Liegt der Lachs obenauf, wird er mit Soße derart eingeweicht, dass er ganz labberig wird und auch noch seine Nachbarn mit einweicht. Waterboarding, ganz klar. In dem Zustand gesteht der alles.

Nein, es herrscht ein liebloser Eindruck in der Plastikbox. Völlig lieblos. Respektlos gar. Ich mag es nicht, wenn so mit Essen umgegangen wird, denn schmecken tut es auch nicht, es schmeckt nach nichts. Nichts. Nutzlose Nahrung. Zum Abgewöhnen. Für 40 Euro Lehrgeld.

Auch den Ingwer behandelt man nicht gut, er muss sich sehr wertlos und billig fühlen, deswegen ist er wahrscheinlich so sauer. Gleiches gilt für die Sojasoße, die man offenbar einer Salz-Spezialbehandlung unterworfen hat. Nicht zum Tunken geeignet, vielleicht kann ich ein Peeling draus machen. Nach der Sauna. Mal sehen.

Punkte sammelt der Folterknecht ausgerechnet bei denjenigen seiner Delinquenten, die mit Sushi nichts zu tun haben: In Reis eingerollte Ente zum Beispiel. Die hält sich recht gut, sollte nur ein Gimmick sein, just kidding, nichts ernstes, einfach mal Blödsinn bestellen, und wurde als Einäugiger unter den Blinden tatsächlich der König. Bizarr.

Ekelerregend kommt hingegen der in Reis eingerollte rosa Pflaumenbrei daher, der bestellt wurde, um die Sinnlosigkeit des eigenen Handelns final zu vervollständigen. Dieser rosa Pflaumenbrei ist so säuerlich, dass eine Zitrone dagegen wie eine Wohltat wirkt. Vegetarisch, klar, aber was soll das? Es schmeckt nicht, auch nicht mit Ketchup, Mayo oder Nutella. Nichts zu machen.

Ich will nicht mehr da bestellen, das ist nicht gut, nächstes Mal laufe ich lieber nackt bei Tornadowarnung und Meteoriteneinschlag durch Eisregen zu einem der fähigen Sushimeister als mir noch einmal fett und faul auf dem Sofa gammelnd Unsinn nach Hause liefern zu lassen.

Schwöre.

Vielleicht.