The Bird

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The Bird, Burger, Prenzlauer Berg

Ich renne ja stets wie ein Lemming in alle hysterisch gehypten Lokale hier in Prenzlauer Berg. Man muss eigentlich nur ein paar verkeimte Sofas aus dem Nachlass der seligen Großmutter in einen unrenovierten ehemaligen Metzgerladen schmeißen, ein paar ausrangierte Kandelaber aus Ostzeiten oder einem der reihenweise absterbenden Gothic-Läden wahllos im Raum verteilen, Musik einer ukrainischen Grindmetal-TripCore-Band spielen, dazu noch schnöselig-arrogante Mediendesignstudentinnen aus Angermünde und Wittstock hinter den Tresen stellen und man kann sicher sein: Man hat einen Hype in Prenzlauer Berg und damit erstmal ausgesorgt.

Hier kann dann der Espresso für nen Fünfer über die Theke gehen, die Wurststulle ebenso und Mamas Käsekuchen – zum Geburtstag mit Liebe gebacken – wird gleich für sechs Kröten das Stück mitvertickt. Scheiß auf jedes Stipendium, so ein Laden wirft locker zehnmal so viel ab.

Und ich gehe da hin. Weil´s jeder tut und ich wissen muss was da los ist.

Heute: Teurer Burgerladen am Falkplatz mit den mutmaßlich besten Burgern in Berlin, der seine Gäste via Speisekarte anmault und von Heizen innerhalb des unverputzten Mauerwerks nix hält. Na gut, mal sehen.

Beginnen wir mit dem Wasser. Das Gerolsteiner aus der Flasche war ganz hervorragend, prickelnd auf der Zunge, dafür samtig-spritzig im Abgang … jaja is ja gut… 

Nein, beginnen möchte ich mit den besten Chicken Wings, die ich in meinem mittellangkurzen Leben bisher gegessen habe. Gebadet in einer orgasmusauslösenden Barbecue (?) – Soße sind sie dennoch gleichzeitig knusprig und zart. Dazu werden frische Möhren und ein fies-leckerer Knoblauch-Dip gereicht.
Eine Wucht, nächstesmal bestelle ich 36 statt 12 und pfeife auf den Burger, denn…

… die sind ohne Zweifel solide, sogar gut. Das Fleisch ist ganz große Klasse, man erschmeckt dessen Qualität deutlich, aaaaaaber: Golden Toasties als Brötchenersatz gehen leider gar nicht. Die hab ich gern zum Frühstück oder wenn ich mir den Boulettenburger zuhause mache, aber von einem teuren Hype-Burger erwarte ich mehr.
Der Burger ist durch die Toasties nicht nur verhältnismäßig (im Verhältnis zum stolzen Preis von 11,90 €) klein, sondern ist auch schwer händelbar.
Das – ich betone es nochmal – vorzügliche Fleisch ist im Verhältnis zu den Toasties zu dominant, so dass diese eigentlich nur dazu dienen, nicht den Klumpen Fleisch (hab ich schon erwähnt dass dieses ganz vorzüglich war?) gleich direkt in die Hand nehmen zu müssen.
Sorry, aber es ist leider nicht der beste Burger meines Lebens und ich fürchte auch nicht der Beste in Berlin.

Ein kurzer Exkurs noch zu den Pommes: Ein Hammer. Frisch geschnittene Kartoffeln, noch in Schale und ganz sanft anfritiert – schlicht und genial. Kein Vergleich zu den miesen Frosta-Fritten anderer Läden.

Ich darf als Fazit ziehen, dass mir der Preis für die Burger zu hoch angesetzt ist – selbst für einen Hype ist das hier ziemlich heftig – Qualität des Fleisches hin oder her. Die beiden Knaller – Chicken Wings und die Kartoffeln – haben allerdings meinen Tag gemacht (für Angermünder Mediendesignstudentinnen: They made my day).