Stadtwerke Fellbach

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Stadtwerke Fellbach, Stromanbieter

Ich möchte mir ein Schild um den Hals hängen und mit einer alten klapprigen Videokamera in Schwarz-Weiß aufnehmen: Seit 867 Tagen Gefangener der Stadtwerke Fellbach.

Immer wenn ich versuche, zu einem anderen Stromanbieter zu wechseln, um wieder ein paar lumpige Euro rauszuschlagen, die mir bei der nächsten Erhöhungsorgie ein paar Wochen später doch wieder abgeknöpft werden, lässt man mich nicht raus. Immer hat sich irgendwie durch Zauberhand irgendwann unbemerkt die Vertragslaufzeit um ein Jahr verlängert. Das Pech des falschen Zeitpunkts klebt an mir wie die Hundescheiße der Berliner Gehwege an meinen Hacken.

Das steht sicher irgendwo, das mit den Laufzeiten, denke ich dann, und starre paralysiert auf das Papier, auf dem diese seltsamen Schriftzeichen aufgedruckt sind, die ich bisher aufgrund ihrer geringen Größe für eine sinnlose Ansammlung von Bindestrichen gehalten habe, diese sogenannten Vertragsbedingungen, auf vielen Seiten so klein und eng bedruckt, dass die keiner liest, der bei Verstand ist oder keine Lupe hat.

Ich darf also nicht gehen, stelle ich jedes Mal resigniert fest, man will mich nicht loslassen, was aber fast schon wieder okay ist, weil sich die Stadtwerke Fellbach im Vergleich zu anderen Stromgeiern verhältnismäßig human gebärden. Ich bekomme auf Anfragen relativ schnell eine individuelle Mail, spreche am Telefon zeitnah mit echten Menschen statt mit einem Automaten, die Höhe der Abschläge befindet sich im Einklang mit den Menschenrechten und die Abrechnungen sind auch zuverlässig und pünktlich. Außerdem wohne ich in Berlin-Prenzlauer Berg, insofern ist ein schwäbischer Stromanbieter fast schon wieder konsequent und in sich logisch.

Nur diese obskuren und sich immer irgendwie unvorteilhaft verlängernden Vertragslaufzeiten sind irgendwie old-school, passen aber auch schon wieder zu jemandem, der sich Stadtwerke nennt und mich wehmütig an eine Zeit erinnern lässt, in der der in Staatsbesitz befindliche Strommarkt flexibel wie eine Eisenbahnschiene, dafür aber ehrlich, zuverlässig, günstig und gut war.

Dennoch: Sie sind inzwischen im Vergleich wirklich ein wenig teuer geworden, meine schwäbischen Vertragspartner – eine Tatsache, die irgendwie an mir vorbei gegangen ist – und ich würde gerne wechseln, wenn ich denn mal rausfinde, in welchem offenbar schmal definierten Zeitfenster ich das denn mal darf.