Westside

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Westside, Mittagstisch, Kreuzberg

Ich hielt das Westside von außen immer für so ein typisch billiges Bistro, das viel zu viel anbietet, 20 Angebote an Pasta in der immergleichen Sahnesoße, 30 Sorten Kekspizza, dessen Dosenbelag mit tonnenweise dick schmelzendem Käse zugekleistert wird, Billigdöner und Haloumi im immergleichen Fabrikfladen, dafür mit nichtssagenden Soßen, die sich lediglich in der Farbe unterscheiden.

Leider ist es so.

Dafür billig.

Der Haloumikäse verfügt nicht ansatzweise über Geschmack – auch das Fett hinterlässt nicht einmal Spuren der zuletzt in ihm gebadeten Mahlzeit -, wird zusammen mit einer weißen Soße – ebenfalls ohne Geschmack – und dem üblichen langweiligen Dönergemüse in den Fabrikfladen gepackt, der seinerseits ebenfalls ohne Geschmack auskommt. Das Resultat verfügt wenig überraschend über keinen Geschmack, der über die Zwiebelhalbmonde, die Gurkenstückchen und zu vernachlässigende Eisbergsalatschnipsel hinausgeht. Bitte nicht noch einmal.

Die Pizza verfügt erwartungsgemäß über einen keksartigen, seine Instant-Herkunft nicht ansatzweise verleugnenden Boden und einen fingerdicken Klumpen Käse, ein umfassend mächtiges und vom Käse überlagertes Erlebnis, von dem man noch lange zehren kann und ist eigentlich nur damit vergleichbar, am Sonntagmorgen verkatert und mangels Alternativen die Tiefkühlpizza von Lidl mit den letzten Resten Billig-Emmentaler aus den hinteren Kammern des Kühlschranks zu belegen und dieses Machwerk in seiner Eigenschaft als eines der letzten Lebensmittel im Hause mit einem Konterbier runterzuspülen. Rülps.

Hatte ich ernsthaft erwartet, bei einem Preis von 2,50 € mehr als einen neutralen Fertigteig mit seinen labbrigen Zutaten aus der Dose zu bekommen? Nein, wer das glaubt, der glaubt auch an den Osterhasen, die Zahnfee oder die Sicherheit von Atomkraftwerken. Ehrlich, an Tagen wie diesen beklage ich sehr, dass die Bezeichnung Pizza nicht unter einer Art EU-Markenschutz steht und damit nur ein hochwertiges Endprodukt zulässt wie bei einem Parma Schinken oder einem Pamensankäse, so dass sich nicht jeder dahergelaufene uninspirierte Teigfladen so nennen darf.

Egal. 2,50 hin oder her, diese Pizza nimmt man nur wenn es nicht anders geht. Wobei es in Kreuzberg immer anders geht.

Gleiches gilt für die Pasta. die für ihre 3 bis 4 Euro geschmacklich gar nicht erst versucht, über die Fertigsoßen vom Discounter hinaus zu kommen, dafür sehr reichlich aufgetischt wird. Dennoch, leider nicht gut. Ich würde mir das nicht noch einmal bestellen.

Den Döner links liegen gelassen habe ich nach einem Blick auf die üblichen langweiligen Hack- und Chickenspieße, das fürchterliche Fladenbrot und das langweilige Gemüse.

Dafür scheint, und jetzt kommen wir endlich zu den wenigen Lichtblicken hier, der islamische Einfluss auf große Teile der türkisch-arabischen Gastronomie hier noch nicht angekommen zu sein, auf der Karte stehen nach wie vor Produkte wie Wodka, Jägermeister und Raki zum ungläubigen Runterspülen kohlehydratreicher Kost vor den Augen des ausgesprochen freundlichen Personals.