Bärenland

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Bärenland, Süßwaren, Prenzlauer Berg

Es ist schlimm, wenn man erstmal angefangen hat, vernünftige Sachen zu kaufen, denn man hört dann nicht mehr auf damit. Gummischeiß. Früher war’s der fiese Trolli-Billigdreck aus dem 1-Kilo-Eimer von Lidl für 2,99, der nach dem Öffnen riecht wie handelsübliche Aceton-Ammoniak-Zyankali-Mischung für Lebensmüde und bei dem nicht ansatzweise Spuren von natürlichem Geschmack zu finden ist, sondern nur finsterste Zucker-Terpentin oder Ahornsirup-Heizöl-alte-Laufsocke-Geschmacksrichtungen in neongelber und neonblauer Farbe. Bah.
 
Besser ist Haribo, die tun wenigstens so als würden ihre Produkte halbwegs nach natürlichen Früchten schmecken, die es auch tatsächlich gibt. Wobei sich mir immer die Frage stellt: Warum machen die nicht mehr grüne Goldbären in die Packung? Die sind immer zuerst weg, weil davon immer viel zu wenig drin sind. Und jeder pult die zuerst raus, weil die so verdammt gut nach Apfel schmecken. Und übrig bleiben am Schluss immer die orangenen, die will keiner oder erst, wenn sonst wirklich gar nichts mehr zu naschen am Start ist. Argh.
 
Am besten sind die teuren, aber sehr guten Gummikramprodukte von Bärenland. Die Apfelfrösche schmecken intensiv nach Apfel (ja ich weiß doch, da ist kein einziger Apfel drin, aber interessiert mich doch nicht) und sauer ist hier richtig sauer, nicht pussysauer wie bei Haribo, wo immer sauer dransteht, was aber in Wirklichkeit so wenig sauer ist wie ein Döner mit scharf wirklich scharf ist.
 
Ich weiß nicht wie sich der Laden hier in Bionadeland hält, denn das ist nicht gesund, das ist nicht bio, das ist nicht nachhaltig und auch nicht mit den Füßen eines ADHS-Straßenmusikers aus Kalkutta mit einem Arm, fünfzehn Zehen, Mundfäule und Antennen auf der Stirn ökologisch korrekt selbstgetöpfert, das ist Chemie. Pur. Aber lecker. Und hält sich seit Jahren in feindlichem Gebiet unter den Argusaugen der Biokressemafia mit ihrem Öko-Frankenlaib von der Hofpfisterei unterm Arm. Ja, hält sich. Unter anderem mit mir als Kunden, der sich mit hochgestelltem Kragen, Sonnenbrille und Perücke hier reinstiehlt als wäre es ein Puff.
 
Das kann nicht lange gutgehen. Prenzlauer Berg und Chemie, das ist nicht kompatibel. Irgendwann werden deswegen die Gummiteile wohl nur noch nachts unter der Bösebrücke hinter einem Strauch angeboten werden können wie ein geschmuggelter Leguan oder ein Päckchen Dope. Dann schmuggeln wir den Stoff in der Unterhose zurück nach Prenzlauer Berg, um ihn uns im Schutze des abgedunkelten Wohnzimmers reinzupfeifen und hoffen dabei, dass uns der mülltrennende Hippienachbar nicht schmatzen hört.
 
Nein, just kidding, gutes Zeug da, gutes Zeug. Bissken teuer, aber gutes Zeug.