Tempodrom

img_20190112_1018435920942477237525644.jpg

Tempodrom, Events, Tiergarten

Eines der vielen skandalträchtigen berliner Gebäude heißt Tempodrom. Es sieht aus wie ein Zirkuszelt, ist aber aus Beton. Und wie so oft in Berlin ist auch hier ein veritabler Sack Steuergelder in dunkle Kanäle versenkt worden und wird wahrscheinlich immer noch versenkt, was aber immer erst ein paar Jahre später rauskommt, wenn die Verursacher aus Politik und Wirtschaft ihre Schäfchen längst ins Trockene gebracht haben. Berlin eben – Sumpf, Filz, Vetternwirtschaft, niemanden juckt das mehr, man hat sich dran gewöhnt, denn es war nie anders, egal wer die Stadt regiert.

Letztens saß ich im Tempodrom bei einer Lesung auf unbequemen Holzklappstühlen während der Autor von oben herab von einer Bühne herunter las. Das kann man durchaus machen, wenn man seine Gäste verachtet und möchte, dass sie möglichst nicht wiederkommen. Nach etwa 20 Minuten tat mir der Arsch weh, nach 30 Minuten kam der Rücken dazu und kurz darauf stimmte der Nacken in den Kanon ein. Ganz toll, eine echte Qual und ein Traum für jeden Sado-Maso-Freak. Welcher Praktikant plant so etwas?

Ich mag das Tempodrom nicht, ich mochte es nie, die Türsteherstudentenkartenabreißer sind wahlweise unfreundlich oder schnöselig, die Getränke überteuert und der Komfort strebt gegen Null. Allein die Optik kann man für berliner Verhältnisse gelten lassen, die Zirkus-Krone-Attitüde kommt vergleichsweise flockig rüber und hebt sich wohltuend ab vom üblichen architektonischen berliner Grauen.

Dennoch: Holzklappstühle, Nackenstarre, aus dem Wirbel gedrückte Bandscheiben, Arschaua. Bitte nicht noch einmal.