Qype Interview

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  1. Wie bist Du zu Qype gekommen?

 

Nun, eines Tages erhöhte mein Stammdönermann die Preise und ließ gleichzeitig massiv in der Qualität nach. Böse empört und aufgebracht über diese himmelschreiende Ungerechtigkeit suchte ich nach einem Ort, der als Ventil für meinen aufgestauten Zorn über diese und andere chronische Ärgernisse in Berlin wie die vor sich hin stümpernde S-Bahn, saufende und urinierende Touristen, die allgegenwärtige Hundescheiße und die unvermeidlichen rasenden Fahrradfahrer auf den Bürgersteigen herhalten kann.

Was auch tun? Verkloppen darf man diese ganzen freilaufenden Proleten und Egomanen nicht, Schusswaffen sind verboten und dauernd nur Luft aus den Schläuchen rauszulassen oder die Touristen nach Berlin-Marzahn zu schicken ist auf die Dauer auch irgendwie öde.

Also versuchte ich es zunächst im Sauerland-Boxstall als Nachwuchsboxer, aber dort habe ich selbst von Axel Schulz, welcher dort eigentlich nur noch als Boxbirne rumsteht, dauernd nur auf die Glocke bekommen. Das war irgendwie uncool und auch nicht so wirklich produktiv, also habe ich es bei einer Männerselbsthilfegruppe für neurotische Stadtaffen mit Arachnophobie, Bindungsängsten und Fußherpes probiert, die sich bei uns um die Ecke immer stundenlang in einem leeren Ladenlokal vollheulen. Allerdings kam ich nicht so recht damit klar, dass die sich alle dauernd gegenseitig im Kopfstand die Brusthaare gekrault und dabei so ein kehliges Roger Cicero-Schnurren ausgestoßen haben. Manchmal haben die Touristen da auch Erdnüsse reingeworfen, das war alles insgesamt sehr unsexy.

Tontaubenschießen hingegen, was mir mein Psychotherapeut zum Stressabbau empfohlen hatte, war mir nach zwei Stunden sinnloser Ballerei ohne Tontaubentreffer aber fünf bewusstlosen Wildgänsen und zwei Erpeln mit Gehirnerschütterung auch zu blöd und nachdem ich dann auch noch wegen vorsätzlicher Provokationen gekoppelt mit widernatürlichem Unernst bei den Zeugen Jehovas, dem Müttergenesungswerk, der Pius-Bruderschaft und dem Turnerverein Germania 1848 rausgeflogen bin und nicht mal die besoffenen Punker vom Berliner Alexanderplatz mich noch in ihrer Mitte haben wollten, habt ihr mich großzügigerweise aufgenommen.

Jaja, so war das damals.

 

  1. Was bedeutet Dein Benutzername?

 

Also dieser Name mike-o-rama ist eine Kombination aus

 

  1. einem besonders in der Ostzone beliebten (Man hatte ja damals nichts und durfte ja auch nicht raus) und von mir mutwillig herausgegriffenen Vornamen angelsächsischen Ursprungs – es hätte zum Beispiel auch Ronny, Kathleen oder Rocco treffen können,
  2. einem gewöhnlichen dahergelaufenen Vokal aus der Grabbelkiste bei Kaufland mit der drolligen Form einer Murmel – wahllos und brutal seinem angestammten Alphabet entrissen – und
  3. dem Namen einer ranzigen Margarine, die zusammen mit einer angebissenen Stulle seit Wochen offen in meinem Wohnzimmer rumstand und die begann, eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln.

 

Das Gesamtwerk, von mir innovativ mit Bindestrichen verfeinert, bedeutet also – wie so oft im Leben – rein gar nichts. Hätte neben meinem PC zufällig eine Heftzwecke, eine alte stinkende Socke oder eine Klobrille gelegen, würde das natürlich ein völlig anderes Image abgeben, aber da die Umstände nun einmal so sind kam nicht Ronny-a-klobrille sondern Mike-o-rama beim Namensbingo heraus. Shit happens.

Notwendig war diese einmalige intellektuelle Kraftanstrengung im übrigen nur deshalb, weil meine ursprünglichen Favoriten 6kraska6, norbertjäger und berlinplüsch allsamt leider schon ausverkauft bzw. vergeben waren und so musste ich mir auf die Schnelle etwas anderes einfallen lassen, was mich unmittelbar unter massiven Erfolgsdruck setzte, versagen ließ und obiges Ergebnis nach sich zog.

Ja, so spielt das Leben manchmal.

 

  1. Was gefällt Dir an Qype besonders gut?

 

Diese vielen verschiedenen Menschen an diesem virtuellen Ort und ihre vielen verschiedenen Schreibstile. Manche schreiben Reiseberichte, andere Fotogeschichten, viele ganz herausragende Prosa, die es wert wäre, gedruckt zu werden, es gibt Großstadtlyrik, Kleinstadtlyrik, Wutausbrüche, Verrisse, zynische Essays, aber auch zaghafte Annäherungen oder inbrünstige Liebeserklärungen, einer schreibt sogar Gedichte, ein anderer beschreibt liebevoll in fein geschliffener Wortwahl sein Immigrantenghetto, der nächste ebenso eloquent seine Wanderung durch Schottland mit allabendlichem Besäufnis und wieder ein anderer verarbeitet narzisstisch angehauchte Lebensweisheiten, die mit den Plätzen korrespondieren, die er besucht. Allesamt wertvoll und alles findet Platz hier – ich finde das gut.

Positiv hervorzuheben ist auch der enorme Vertrauensvorschuss seitens der Betreiber in die dauerhaft und regelmäßig mitwirkenden Beitragsschreiber dahingehend, dass man ihnen im Experten-Status relativ viele Freiheiten zum Gestalten der Plätze zubilligt, was – zumindest wie ich das überblicken kann – nur sehr selten missbraucht wird und dann nach dem Wikipedia-Prinzip der Selbstheilung schnell von anderen eingefangen wird.

 

  1. Was nervt Dich am meisten?

 

Ich bin nie von irgendetwas genervt, wer etwas anderes behauptet, der lügt. 😉 Okay, zugegeben: Ich kann mich manchmal nicht zurückhalten, diesen vielen Drei-Wort-Beitragsschreibern auf dieser Plattform („Supi dupi lecker“ oder „Volle kanne endgeil“) verbal einen dicken fetten pechschwarzen Worthaufen in die Kommentarleiste zu drücken, um zumindest fürs Protokoll meiner Überzeugung Ausdruck zu verleihen, dass solcherlei Beiträge völlig wertlos sind.

 

  1. Was ist dein Lieblingsplatz?

 

Das ist mein Alexanderplatz in Berlin. Ich schrieb schon einmal in einem Beitrag, dass er rein optisch so etwas wie der Jason Voorhees von Berlin ist – vernarbt und potthässlich, nur mit dem Unterschied, dass er Charme hat und Jason Voorhees nicht.

Und diesen Charme hat er obwohl sich alle Banausen der Geschichte leidlich an ihm abgearbeitet haben: Adolf und die von ihm gerufenen alliierten Bomber, Stalin, Honni, der Berliner Senat. Und keiner kriegt ihn tot. Ich glaube manchmal, man könnte eine Atombombe auf ihn werfen und er wäre danach immer noch der Hauptknotenpunkt in Berlin, auf dem die Menschen wuseln und duseln, shoppen, umsteigen, was essen, labern, lieben, leben.

Nur dann verstrahlt eben – wegen des Fallouts.

Nein, ehrlich, die können meinetwegen noch zehnmal so viele hässliche, widerliche und abstoßende Gebäude auf meinen Alexanderplatz erbrechen, mich kriegen die da nicht weg. Allein schon wie dieser Brunnen des Grauens wie ein rostiges krebsartig wucherndes Geschwür aus dem weichen Bauch des Platzes ragt – umringt von hässlichen nichtssagenden Neubauten aller Epochen der letzten 60 Jahre, die sich einen knallharten Wettbewerb um die möglichst klobigste Erscheinung liefern.

Nein, ich mag den trotzdem und ich werd den immer mögen, den Alex. Er ist eben wie Berlin – jeder Zugereiste stümpert an ihm herum und hinterlässt doch nur neue widerliche Narben auf den alten. Dabei ist er bei weitem nicht der Schönste, hat aber dafür solch markanten Charakter, dass sich trotz seiner Hässlichkeit jeder mit ihm schmücken will. Klasse. Mach das mal nach.

 

  1. Welche Frage wolltest Du schon immer mal gestellt bekommen?

 

Oh, alle Fragen, die einem bei Subway nicht gestellt werden, das können nicht mehr viele sein.

 

Ich kann aber ganz sicher sagen, welche Frage ich nie wieder hören möchte, weil ich sie schon gefühlte hundertfünfzehntausendmal beantwortet habe. Und das ist diese: „Haben Sie eine Payback-Karte?“, gerne auch gekoppelt mit der Schwester „Wollen Sie eine Payback-Karte?“.