Kebab Haus

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Kebab Haus, Döner, Mariendorf

Stützedorf spätabends. Ich habe einen Hunger direkt aus der Hölle, plötzlich und schmerzhaft, ein großes schwarzes Loch direkt hinter dem Bauchnabel und es muss schnell gehen. Das kann hier nur Döner bedeuten. Manchmal erwischt man hier in der Gegend noch eine totgebrutzelte Currywurst oder ein prekäres Hähnchen, aber wenn man sich nicht auskennt, bedeutet das in der Regel Döner.
 
Oh fuck, es gibt nur diese Hackfleisch-Spieße. Warum nur? Und warum kommt mir da immer einer dieser uralten Mudderwitze mit Damenbart aus den 90ern in den Sinn „Ey, der Dönerladen hat angerufen, deine Mudder dreht sich nicht mehr…“ Au mann, jetzt reicht’s, geh weg Kopfkino… Hackfleischmist also, na gut, wenn schon, dann muss es vom Türken sein. Bei Döner darf man nicht nur sondern muss man sogar nach landsmannschaftlichen Gesichtspunkten handeln, was eigentlich verboten ist, jedoch gilt: Döner niemals beim Italiener, auch nicht bei Libanesen und auf gar keinen Fall beim Deutschen. Auch Polen, Jugos, Bulgaren und Vietnamesen bringen es nicht. Der Döner muss zumindest vom Türken sein. Nur er schafft es, den eigentlich ungenießbaren Hackfleischdöner wenigstens halbwegs essbar zu machen. Wunder kann auch er nicht bewirken, aber man kann es essen.
 
So auch hier im Kebap Haus, vor dem ich wie ein Bittsteller vor dem Fenster stehe und zum Dönermeister hinaufschaue. Irgendwie komisch geplant, die Butze.
 
Sieht aber recht frisch aus hier.
 
Und viel ist es für die irgendwas um die Zwoachtzig.
 
Viel Salat. Viel Tomate. Viel Zwiebeln. Viel Rotkraut. Und viel gezuckerten Dosenmais.
 
Gezuckerter Dosenmais? WTF?
 
Yup, pervers, aber irgendwie okay.
 
Die Gemüsemassen lassen die auf den Punkt getoastete Tasche aus allen nicht vorhandenen Nähten platzen ohne dass die bemerkenswert gute Soße allerdings die Dönerwand einreißt. Gutes Zusammenspiel stelle ich zufrieden fest, denn ich habe vor, das Dreieck im Gehen zu vertilgen.
 
Ich komme allerdings nicht umhin wie Hänsel und Gretel eine Gemüsespur den Mariendorfer Damm hinunter zu legen. Alles quillt oben raus, rutscht seitlich weg, aber der Berliner ist in der Regel geübt im Essen während des Gehens ohne sich etwas von Kräutersoße auf die Hose zu tropfen, von dem dann jeder Idiot denkt, es sei Sperma auf Hose und lacht.
 
Die Technik beim Döneressen im Gehen ist ganz einfach: Man beuge sich während des Abbeißens leicht nach vorne, so dass es auf den Bürgersteig und nicht auf die Hose oder den Pullover tropft, danach halte man den Döner seitlich vom Körper weg. Die Choreographie sieht auch lustig aus für den Fall, dass mal eine Kindergruppe vorbeikommt und sich so über den unfreiwilligen Clown freuen kann, der sich zum Obst macht.
 
Hat man vor, heute noch eine Frau, einen Kerl oder irgendwas zwischendrin anzusprechen, sollte man das lieber für heute seinlassen. Der zwischen den Zähnen wie die Pest festhängende Dönermuff ist für den Rest des Abends nicht mit Fishermans Friend oder Mundspray wegzukriegen. Vielleicht mit Terpentin oder Essigsäure. Oder einem Bunsenbrenner.
 
Und so lege ich eine Spur entlang des Mariendorfer Damms während ich bescheuerten Gedanken über eine Mundspülung auf Terpentinbasis nachhänge.
 
Meistens sind es die Maiskörner, die mir flöten gehen.
 
Und hinter mir picken die vielen fliegenden Ratten meine schöne Maisspur wieder auf, so dass ich gar nicht mehr zurückfinden würde zum Kebap Haus für den Fall, dass ich nochmal einen gewöhnlichen, aber essbaren Döner essen möchte.