UFA-Palast Treptow

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UFA-Palast, Kino, Alt-Treptow

Die Cinestar-Kette hat sich beim Bau des UFA-Palastes am Treptower Park ganz kräftig verzockt.

Spekuliert hat man ganz offenbar vor allem auf die junge multikulturell geprägte Zielgruppe um den Wrangelkiez in Kreuzberg, ohne aber ein solches Multiplex im heiligen Kreuzberg selbst bauen zu müssen, was die ohne Zweifel die autonomen Gralshüter auf den Plan gerufen hätte, die z.B. dem Subway-Franchisenehmer im Wrangelkiez das Leben ziemlich schwer machen.

Klar verzockt darum, weil Treptow und Kreuzberg nach wie vor nicht nur eine unsichtbare kulinarische Grenze trennt sondern Welten in jeder Hinsicht – kulturell, personell, optisch. Die Kreuzberger bleiben ganz einfach in Kreuzberg und hüten sich, einen Fuß ins traurige und nach Ende der Regelarbeitszeit finster verwaisten Alt-Treptow zu setzen und Alt-Treptow schmort im eigenen faden Saft.
Auf das Cinestar heruntergebrochen bedeutet das: Der alternativ geprägte Kreuzberger geht wohl eher in die dortigen Hinterhof-Programmkinos während es die Migrantenjugend wahrscheinlich an den Alex ins dortige Cubix-Multiplex zieht. Und der Rest kann sich kein Kino leisten oder wickelt das Bedürfnis nach Filmen online ab.

Dieses Eckproblem von Alt-Treptow im Schatten des trendigen Kreuzberg, das sich durch alle Bereiche zieht, verhagelt daher dem Cinestar in Treptow ordentlich das Geschäft. Tragisch dabei: Das potenzielle Einzugsgebiet ist nach dem Ausfall von Kreuzberg nicht nur unglaublich winzig, da im Norden durch Spree und Ostkreuz sowie im Osten durch den Park begrenzt, sondern abends regelrecht wüstengleich ausgestorben, wenn die Mitarbeiter der diversen Behörden, des Park-Centers und des ansässigen Mittel- und Kleingewerbes nach Hause gehen.
Und diejenigen die da wohnen gehen offenbar nicht ins Kino oder könnes es sich nicht leisten, denn das nagelneue Multiplex ist meistens so leer, dass ich schon mehrmals einen Film im großen Saal ganz für mich allein hatte. Ich erkenne es an, dass man den Film dann trotzdem abgespielt und mich mich nicht unverrichteter Dinge nach Hause geschickt hat wie das in anderen Kino gerne mal üblich ist, wenn da weniger als 5 Nasen im Saal sitzen.

Ich find’s ja schön da so fast alleine. Ich kann mich selbst mit Popcorn bewerfen, mir selber in die Lehne treten und mich so laut zuquatschen, dass ich vom Film nichts mehr mitkriege. Authentisches Kinoerlebnis ganz für mich, absolut empfehlenswert, wenn auch auf Dauer etwas einsam.

Doch Geld kann man damit nicht verdienen, ich frage mich welche obskure Kalkulation das Ding seit Jahren offen hält. Verrechnet man die Gewinne des sagenhaft florierenden Cubix am Alex mit den Treptower Verlusten? Hat der Filialleiter die Controlling-Abteilung in der Hand? Mitleid?

Wie auch immer, hier hat man offenbar seitens des Cinestar auf ein Übergreifen des Kreuzberger Millieus auf Alt-Treptow gerechnet und eine Goldgrube vermutet.

Und doch nur Nickel gefunden.