Barato

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Barato, Cocktailbar, Friedrichshain

Im Barato komme ich mir ungewollt vor. Die erste Bestellung geht noch schnell, danach kann man problemlos in der Ecke sterben und man wird erst wieder bemerkt, wenn man zu modern und zu stinken anfängt. Will man was haben, muss man anfangen zu suchen. Meist findet man eine der beiden Servicekräfte im Raucherbereich, wo sie Informationen austauschen. Wenn man also mutig genug ist, empfiehlt es sich, sich gleich in den Raucherbereich zu setzen, dort kann man dann immer jemanden abfangen, der Getränke oder Nahrung bringt.
 
Nach einer Stunde will eine Spinne zwischen dem leergefressenen Fingerfood-Teller und dem ebenso leeren Bierglas ein Netz bauen, doch ich bringe die Teller lieber selber an die Theke, bevor sie anfangen kann zu knüpfen, weil sie hier verhungern würde und das täte mir leid.
 
Der einzige, der ein wenig so tut als läge ihm der Laden hier am Herzen ist der breite Zwei-Meter-Mann hinter der Bar, der ab und an in die Gegend ruft, ob wer noch was haben möchte. Wahrscheinlich der Besitzer. Netter Typ.
 
Das Fingerfood rumort im Magen. Es ist natürlich das Billigste vom Billigsten, finsterste Mozzarellataler aus dem Backofen, neonorange-bröselig außen, zäh wie Gummi innen, zwei versehnte Gummihähnchenflügel dazu, labberige kalte Kartoffeln auf Chemiesoße und Nachos, die noch nicht einmal nach Glutamat schmecken sondern nur nach nichts. Wie macht man das? Vorher waschen? Das Ganze schmeckt noch nicht einmal im Vollrausch kurz vor dem Koma.
 
Ein anderer isst eine Sahnesuppe mit Nudeleinlage und verbirgt seine Begeisterung gekonnt hinter einer Schimpfkanonade.
 
Ich versuche es mit einem Cocktail. Die sind hier wie alle hier zwischen 3,50 und 4,00 Euro günstig. Ich bekomme was ich angesichts des Preises erwarte: Fuseligen Grundgeschmack auf viel zu viel Eis. Es sollte ein Long Island Ice Tea sein, es war Ice mit … was war das? … Wodka Gorbatschow vom Spätkauf? Und Zucker.
 
Als ich irgendwann zum Zahlen an die Theke gehe, werde ich beiläufig gefragt, ob es geschmeckt hat. Nein, heute nicht, denke ich, an manchen Tagen ist jede Silbe Antwort eine zu viel. Und so grinse ich nur, weil ich weiß, dass ich in diesem Leben nicht mehr hierher zurückkommen werde. Nicht, wenn es sich verhindern lässt.