Pane e vino

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Pane e vino, italienisch, Friedrichshain

Dieses kleine freundliche italienische Lokal hat sich eine denkbar abseitige Ecke des Blocks ausgesucht, hat aber dennoch sichtlichen Erfolg. Offenbar spricht sich Gastfreundschaft kombiniert mit gutem preisgünstigem Essen herum.

Manchmal, mittags, wenn die Oberbaumcity-Wichtigtuer hier im Herdentrieb zum kollektiven Wichtigtuen eintreffen, wird es etwas anstrengend und es empfiehlt sich, Musik im Kopfhörer dabei zu haben, um möglichst ohne störende Worthülsen, Luftblasen und Nichtigkeiten der Nebentische das Essen genießen zu können. Aber auch Ausnahmesituationen wie dass wirklich gar keine Plätze im Lokal mehr frei sind, aber draußen die hungrigen Schlipsträger schlangestehen, werden vom Inhaber souverän und dabei immer freundlich gelöst.

Sowieso lebt das Lokal vom Charme und der ausgesuchten Freundlichkeit des Patrones, der selbst neue Gäste wie alte Freunde begrüßt und jedem Gast persönlich noch einmal einen guten Appetit wünscht, auch wenn er nicht serviert.

Freundlich sind auch die frischen warmen Brötchen nebst Oliven zu Beginn und der Espresso als Abschluss der Mahlzeit, natürlich aufs Haus, was kein so schlechtes Geschäft ist wie man meinen möchte, da es bei den meisten Gästen ein höheres Trinkgeld zur Folge haben dürfte, was in diesem Fall auch vollkommen angemessen ist.

Ja, hier darf man ausnahmsweise – auch wenn wir uns hier mitten in Berlin befinden – nicht misstrauisch sein, wenn jemand mal freundlich ist, denn das Lokal ist einfach von Natur aus so nett und man scheint sich ernsthaft und sichtlich über jeden Gast zu freuen, auch wenn man das angesichts des Ansturms vielleicht gar nicht mehr nötig hätte. Wo andere abheben, bleibt man hier fix, freundlich, frisch, fröhlich und verliert auch während der mittäglichen Heimsuchung durch die Bürohengstmeute nie den Überblick oder das Lächeln im Gesicht.

Zu den Nahrungsmitteln:

Die Pizza ist mit durchschnittlich fünf Euro vergleichsweise günstig, schmeckt aber tatsächlich ordentlicher als man für den Preis erwarten kann. Wer hier allerdings ein original italienisches Wagenrad erwartet, der liegt schief, denn die Pizza ist vergleichweise klein und macht nicht ganz so satt wie sie sollte.

Die Spaghetti sind al dente – danke dafür -, aber was die Soße betrifft stehe ich vor dem Dilemma, dass sie für Pasta für meinen Geschmack zu gut gemeint reichlich ist, was allerdings den Vorteil hat, dass man die übriggebliebene Soße mit den frischen warmen Brötchen auftitschen kann. Raffiniert sind die Soßen eher nicht, aber als Grundlage okay, Nachsalzen und Nachpfeffern dürfte allerdings auch für zarte Gemüter notwendig sein, aber dafür gibt es ja die Streuer auf dem Tisch. Pluspunkt ist die Frische der Zutaten, mir ist bisher kein Dosenzombiegemüse untergekommen. Danke explizit auch dafür.

Die Gnoccis, die sich ab und zu auf die Tageskarte verirren und die das einzige sind, was mich hier sehr ärgert, sind zu meinem Bedauern nicht frisch sondern entpuppen sich als die geriffelten Dum-Dum-Geschosse aus der Großhandelspackung. Das ist schade. Tipp: Echte selbergemachte Gnoccis sind preisgünstiger, schmecken besser und dauern in der Herstellung nur unerheblich länger. Die Soße hierzu ist wie bei der Pasta grundsolide und man arbeitet darüber hinaus mit Käse, der zumindest einen Ansatz von Eigengeschmack vorweist, was in Lokalen dieser Preisklasse ebenso selten wie erfreulich ist.

Ja. Gut. Prima. Gerne ab und zu mal wieder.