Nazuna

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Nazuna, japanisch, Prenzlauer Berg

Manchmal macht ein Laden auf, der einfach Freude macht. Mitten auf der Danziger, wo sich Armeeladen neben Scheißbäcker neben Billigsushi neben Dreckdöner neben Nagelstudio neben Touriabzockcurrywurst neben Thai-„Nein, hier kein Sex“-Massagesalons aufreihen und zusammen eine nur noch mit Brandenburg vergleichbare trostlose Mischung ergeben, hat eine Perle aufgemacht.

Kleine feine Naschereien für den Hauptgang und für danach. Japanische Delikatessen und Süßigkeiten. Und das sind jedes für sich kleine Meisterwerke, geschmacklich perfekt abgestimmt und jedes für sich ein hinreißender Botschafter Japans.

Der beste Botschafter Japans jedoch steht hinter dem Tresen, ist weiblich und so hinreißend wie man nur hinreißend sein kann. „Es dauert einen Moment bitte, haben Sie Zeit? Ja? Drei Minuten.“ und dann ist nach zweiundhalb Minuten meine Bento-Box fertig: Heute Seetangsalat mit eingelegten Gürkchen, süßlich, im Abgang herb, Rettichsalat, süß mit leicht säuerlicher Note, der nach hintenraus noch einmal etwas nachzuckert, ein Stückchen japanisches Omelette, das jedes Sushi weit hinter sich lässt, hier paart sich der typische Ei-Geschmack mit der Süße und einem Hauch … lass es Balsamico sein … hinten rechts in der Box sitzen schmelzende Kartoffeln in einem Sud aus fein gekörntem Rindfleisch mit sehr intensivem Foie Gras-Aroma, was gut mit dem perfekten leicht gesäuertem Reis korrespondiert, dazu zarteste Spinatblättchen, die mit Sesamöl und Sesamkernen und einer zunächst irritierend herben Note einen weiteren Glanzpunkt setzen. Der mit ebenso irritierend herber Mayonnaise und Sesam gekreuzte Kimchi-Salat rundet die Sache gekonnt ab.

Ich mag es, wenn man mich irritiert.

Den Nachtisch führt heute eine Erdbeerbiskuitrolle an, deren Inneres wirklich nach Erdbeeren, echten Erdbeeren, ehrlich, schmeckt und die zu meiner Erleichterung nicht zu süß ist. Begleitet wird sie von einem Erdbeerkonfekt mit einer geleetierten Erdbeere innen und geleetierter Birne außen, dazu eine Art Erdbeersorbet, nur zimmerwarm und doch fest. Zuletzt dann der Käsekuchen mit weichem Inneren und Karamellkern, der heute den vorläufigen Schluss- und Höhepunkt setzt, indem er kurz nebenbei mal geschmacklich im Mund explodiert und Freude schafft, die lange anhält.

Für später zum Film habe ich mir noch Grüne-Tee- und weiße Apfel-Zimt-Schokolade mitgenommen, die hier selber hergestellt wird. Ja, das Leben kann auch schön sein.

Na? Bock bekommen?

Pech, das was ich hatte ist sicher schon weg, wenn Sie das hier lesen, aber ich glaube jede Woche gibt es was Neues aus der Meisterküche der beiden Meister in ihrem tollen Laden, der hier so sehr gefehlt hat. Aber auch nächste Woche wird es wieder gut sein. Das ist so bombensicher, darauf kann man ein Haus bauen.