Hallo Pizza

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Hallo Pizza, Pizza-Lieferdienst, Pankow

 „Hallo Pizza“ verwest seit über 10 Jahren in einem hässlichen Neubau hinter dem nördlichen Ende von Prenzlauer Berg vor sich hin, ohne dass ich Notiz davon genommen habe. Ich hab da nie bestellt, weil mir das schon von außen zu amerikanisch aussieht und ich amerikanische Pizza so gut leiden kann wie deutschen Döner, holländisches Brot oder Achselnässe.

In einem Zustand geistiger Umnachtung unter Ausfall aller sensorischen Fähigkeiten habe ich dann doch mal hier bestellt, vielleicht wollte ich ja einfach nur einmal alle Pizzadienste dieser an Pizzadiensten so ausladend gesegneten Gegend ausprobiert haben, auch wenn das Äonen dauern würde.

Ich wusste es, Himmel nochmal, fuck the fucking fuck, ich wusste es: Die Pizza ist echt amerikanisch, auch wenn man nicht unbedingt die dickbodige fetttriefende Pfannenvariante nehmen muss, deren abschreckende Mutation einer Pizza man auch von fürchterlichen Orten wie Pizza Hut kennt. Nein, auch die Variante mit dem dünnen Teig kommt genauso daher: Fettig und gezuckert. Boar, fühl ich mich schon nach dem ersten Reinbeißen wie ein überdimensionierter Medizinball. Woppa Woppa, ich pass gar nicht mehr durch die Haustür, man hole einen Tieflader mit Lastkran und hebe mich aus dem Fenster. Wer isst sowas nur?

Auch der Belag ist echt amerikanisch: Viel zu viel von allem, Double-Whopper-XXL-Supersize-My-Freaky-Ass, wer extra Belag bestellt, bekommt nämlich noch mehr Belag ohne dass sich die Menge der anderen Zutaten reduziert – so sehe ich absurde gebirgsartige Ungetüme aus der Schachtel aufragen, die Gipfel schneeartig unter Käsemassen begraben. Ein irres Gebilde. Vielleicht sollte ich mit Löffel essen. Oder einer Suppenkelle.

Die Chicken Nuggets, die ich fahrlässigerweise dazubestellt habe, sind hingegen gar nicht echt amerikanisch, sondern echt Autobahnraststätte Köckern in Sachsen-Anhalt: Nicht kross, sondern labberig, fast gummiartig, ich möchte wieder in der Schule in der letzten Bank sitzen und dem Lehrer die Teile mit einem Gummi an den Hinterkopf schiessen. Flack! Doing Doing.

Nein, ernsthaft, irgendjemand hat hier das Prinzip der Friteuse nicht verstanden. Ich überlege mir, die Teile zu trocknen, eine Weile abzuhängen und meinem Kind dann als ganz exklusive Gummibälle zu verkaufen. Doing Doing. „Hier. Für dich. Hat keiner, ganz neu aus USA, stylishe Gummibälle, kuck mal wie die hüpfen.“ Doing Doing.

Es gibt aber auch ein wenig Licht zu vermelden: Die Pizza schmeckt gar nicht mal so ganz übel, wenn man sich an die perverse Süße gewöhnt hat, die Zutaten schmecken überraschend frisch und keinesfalls billig dosenfraßartig wie man das gerne von anderen Lieferanten kennt. Gerade der Käse, der auf der Karte als Gouda bezeichnet wird, hat einen ungewohnt herzhaften Eigengeschmack und überragt mit den anderen Zutaten den eher nicht so guten Teig um Welten. Erfreulich, wenn man sonst den geschmacklosen analogartigen Scheissdreck anderer Lieferanten kennt. Danke zumindest dafür.

Auch an der Liefergeschwindigkeit und der bequemen Bestellmöglichkeit via Website gibt es nichts zu bemängeln. Wieder ein klarer Pluspunkt.

Trotzdem: Freunde amerikanischer Pizzen mit XXL-Belag dürften hier zu Hause sein. Ich würd’s für meinen Teil eher lassen wollen, außer ich brauch wirklich mal Gummibälle für einen Kindergeburtstag oder einen Elternabend in der Schule. Flack! Doing Doing.