Story of Berlin

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Story of Berlin, Ausstellung, Charlottenburg-Wilmersdorf

Geschichte angemessen zu zeigen ist schwer. Geschichte zu zeigen, dass es jedem gefällt, unmöglich.

Die Ausstellung „Story of Berlin“ verfolgt einen völlig anderen Ansatz als beispielsweise das Deutsche Historische Museum Unter den Linden, welches den traditionell dornigen Museumsweg der vorsätzlichen Quälerei von Schulklassen durch den massiven Einsatz staubtrockener Fakten beschreitet. Entsprechend genervt ist das jüngere – zwangsweise durch diese Faktenvorhölle des Geschichtswissens geschleifte – Publikum dort auch, wenn es so tun muss, als lausche es der 20-minütigen ausufernd langgezogenen Erläuterung des vorturnenden Lehrkörpers zum gesellschaftlichen Hintergrund der Gedenkmedaille der „Frauen-Hülfe des Evangelisch-Kirchlichen Hülfsvereins“ von 1870 im geschichtlichen Kontext der Wandervogel-Bewegung und deren Auswirkungen auf das Verhältnis der Freien Deutschen Jugend der DDR zur Pfadfinder-Bewegung. Wer noch nie gesehen hat wie tote Augen in einem lebenden Körper aussehen: Genau so.

„Story of Berlin“ ist im Gegensatz dazu bewusst als Event-Ausstellung konzipiert und findet bei besagten Schulklassen auch entsprechend besseren Anklang. Die Geschichte Berlins kann erlebt, erhört, erfühlt und ersehen werden und wird zumindest beim ersten Besuch nicht langweilig. Messbar ist dies durch die Anzahl der iPod-Kopfhörer in den Ohren der unvermeidlichen Schulklassen: Zero.

Die Exponate machen in ihrer Aussagekräftigkeit ziemlich was her, werden für den nicht-wissenschaftlichen Gebrauch zudem auch ausreichend erklärt und sind natürlich ein wenig auf den Effekt hin ausgewählt. Man durchwandert die Räume in chronologischer Reihenfolge, wobei jeder Raum und damit jede Ära ihre ganz eigene – für mich akustisch und visuell sehr gelungene – Atmosphäre ausstrahlt.

Besonders drastisch ist das Wechselbad der Gefühle zu erleben, wenn man den in leuchtend freundlichen Farben gehaltenen Raum der goldenen Zwanziger-Jahre durchschreitet, berieselt von Swing-Musik das Warenangebot und die Karossen der damaligen Zeit bestaunend sowie nebenher einen lustigen Stummfilm registrierend plötzlich weiter hinten ganz entfernt schon Joseph Goebbels aus dem Keller brüllen hört, der den unvermeidlichen Gang in den düsteren gruseligen Nazi-Keller schon akustisch vorwegnimmt. Ganz stark.

Der Atombunker zuletzt ist da nur noch der gelungene Abschluss einer im Gesamten gelungenen Ausstellung.

Des Lobes Lied folgt zuletzt des Wermuts Tropfen: Die Exponate wirken, vor allem hinsichtlich der erlebbaren Teile, manchmal etwas vernachlässigt. Einige Gimmicks funktionieren nicht mehr und können so den Spaß an der Sache ein wenig rauben. Schade, das muss nicht sein. Etwas Wartung würde nicht schaden, sondern vielmehr dazu beitragen, das klar vorhandene Potenzial voll auszuschöpfen.